Der Lebensweg als ein Weg des Leidens. Mit den ersten Atemzügen spürte ich nicht nur den Schmerz der Geburt, ich trat auch ein Erbe an.

vaterDie Erbschaft des Leidens der Jahrhunderte. Die Männer kannten nur den Kampf, und Frauen nur den Schmerz. Meine Urgroßväter kämpften gegen die Türken. Mein Großvater kämpfte im ersten Weltkrieg in Griechenland gegen die Deutschen. Mein Vater Vladimir, Jahrgang 1923, verbrachte seine Jugendzeit in Belgrad, überlebte verletzt den Luftangriff der Deutschen auf die Stadt, um nach der Okkupation als Zwangsarbeiter nach Süddeutschland deportiert zu werden.

Um zu überleben nahm er das Futter vom Wachhund und schaffte es zu fliehen.

Dann tat er was auch unsere Väter taten. Er kämpfte. Als Partisan gegen die Deutschen.

Dem Rest meiner Großfamilie erging es ähnlich. Mein Onkel musste auf andere Weise um das überleben kämpfen. Wenn auch nicht Jude, deportierten die Deutschen ihn nach Auschwitz, wo er die Befreiung durch die Russen erleben konnte. Darüber sprach er später nie. Ich erinnere mich dass er von den übrigen Familienmitgliedern, die selber selten was preisgaben, immer als Säufer verspottet wurde. Und dabei ließe sich über jeden von ihnen ähnliches erzählen, über jeden.

Kann ICH was tun um die Erbfolge des Leidens zu beenden?

Ist die Menschheit dazu verdammt auf immer leiden zu müssen? Sind wir schon in der Agonie des Untergangs, ohne Aussicht auf Heilung?

Für meine Generation jedenfalls, ist es zu spät.

waffenreinigungDie Erwachsenen konditionierten uns nach ihren Vorstellungen. Es wurde uns erzählt bereit sein zu müssen, für den Frieden und für die Ehre zu kämpfen. Als Kinder lernten wir schon dass eine Zeit kommen könnte wo wir dem Vaterland auch das größte Geschenk zu geben bereit sein müssten, das eigene Leben. Es gehörte zum System, daß wir mit der Einschulung stolze Pioniere wurden, um später noch stolzer in die Armee eintreten zu dürfen.

Bis heute glauben viele, daß die jungen Männer erst dann reif geworden sind, wenn sie den letzten Schliff als Soldat bekommen haben.

f744737424Bis heute glauben viele daran.

Wir alle wussten mit den Waffen umzugehen.
Die meisten von uns hatten keine andere Möglichkeit, als zu glauben, mit der Gewalt alles lösen zu können. Die Kriegspropaganda und der Gruppenzwang taten den Rest. Und so stand ich da, unwissend was der selbst erlebte Krieg eigentlich bedeutet, im Hinterkopf immer die Erzählungen von den Heldentaten meiner Vorfahren. Meine Heimat war in Auflösung, meine Identität ebenso.
Ich versuchte die Guten und die Bösen auszumachen, hielt Ausschau nach gerechten Kriegern, suchte nach Menschen die meine Landsleute sein könnten. Und fand keine.

Durch die Unwissenheit und absolute Unsicherheit, war ich dabei, verrückt zu werden.

 

Werkzeuge des Todes
ak-47yu3Automat Kalashnikov Model 47, besser bekannt als Kalashnikov AK 47, war und ist eines der besten Tötungswerkzeuge die es gibt. Kalashnikov selbst nennt es Verteidigungswaffe! (Die nachfolgende AK74 wurde viel seltener benutzt). Theoretische Reichweite ca. 1000 m, treffsicher bis etwa 400m.
Mit verschiedener Munitionsart (Kaliber 7.62) bestückt, bestens geeignet für die Bekämpfung “weicher Ziele”, will sagen, damit kann man sehr gut Menschen verletzen oder töten. Durch die ungeheuere Energie lassen die Geschosse die Knochen splittern und große Löcher im Körper entstehen. Mit Aufsätzen sind sie auch für die Bekämpfung von Bunkern oder gepanzerten Fahrzeugen einsetzbar. Im Unterschied zu der amerikanischen M16, durchf707775008 den kürzeren Lauf auf Entfernung weniger treffsicher, dafür robuster und mit höherer Geschossgeschwindigkeit. Bei Bedarf lässt sich also durch verschiedene Materialien hindurchschießen die allgemein als deckungsgeeignet betrachtet werden. Die gebogenen Magazine werden oft paarweise gebunden, um sie während des Kampfes schneller tauschen zu können.
Ich bevorzugte übrigens die obige Waffe mit dem Klapp-, statt mit dem Holzschaft, da sie im Alltag schneller einzusetzen war. Später erbeutete ich ein argentinisches (FAL) Sturmgewehr, welches meine Lieblingswaffe wurde aber durch die NATO Munition nicht immer zu benutzen war.

 

Waffen und Sprengstoff waren damals recht leicht zu besorgen. Nach dem anfänglichen Mangel an jeglicher Ausrüstung unter den kroatischen Kämpfern und Paramilitärs, sorgten viele internationale Konzerne und Regierungen, trotz des Embargos, für eine schier endlose Lieferung von allem, was irgendwie zum töten geeignet sein konnte.

Hauptsache die Kasse stimmte, und die politischen Ziele wurden erreicht. Verständlicherweise wurde es einfacher und billiger an Waffen und später auch an Drogen zu kommen, je näher man an der Frontlinie war. Oft wurden die Waffen dann wieder verkauft, um dann weiter verkauft zu werden usw. usw.

TNT Block 250gDas Bild zeigt das klassische TNT in der Quaderform. Im Unterschied zu dem Plastiksprengstoff mit weniger Druckkraft, dafür im Überfluss zu haben und auch handhabungssicher. Zu sehen ist ein Block mit einer Hochkant-Mittelbohrung für die Aufnahme der Zündkapseln.

Die Blöcke im Verbund brauchten nicht alle einzeln mit den Zündern bestückt zu werden. Die elektrische Spannung, die für die Initialzündung benötigt wurde, kam oft durch eine simple 9V Blockbatterie. Die Auslösung erfolgte je nach Bedarf manuell oder automatisch. Nicht zu sehen sind Plastikschraubverschlüsse, womit die Zündkapseln im Sprengkörper fixiert wurden. Oft wurden aber auch die Zündschnüre an stelle der Zündkapseln verwendet. Und letzten Endes, wenn keine Zünder da waren, baute ich leicht selbst welche. Als Beispiel sollte dienen, daß zwei Blöcke richtig plaziert eine Bahnstrecke ganz lahm legen können. Insgesamt erstaunt es mich immer wieder, wie viel Energie und Intellekt die Menschheit entwickelt, um sich immer besser und schneller umbringen zu können.

Die besonders heimtückische und verheerende Verwendung des Sprengstoffes in Form von Landminen war, und ist mein Thema. Gesondert fasste ich daher einiges wissenswertes unter “Landminen” zusammen.

Der ganz normale Wahnsinn
Die Karte zeigt den Frontverlauf während der entscheidenden Großoffensiven “Blitz” und “Sturm” (USA lässt grüßen) im August bis Oktober 1995. Mein Bewegungsradius erstreckte sich auf dem Gebiet zwischen Rijeka (als Rückzugsgebiet), weiter südlich um Senj und dann Richtung Plitvicer Seen, Karlovac und Zagreb. Die Informationsbeschaffung bezüglich des Frontverlaufes waren nicht nur geldwert (für den Schmuggel) sondern wahrhaftig überlebenswert. Es geht mir kalt den Rücken herunter, wenn sich die Normalität des Wahnsinns, im Rückblick offenbart. Es muss der Herbst 1994 gewesen sein, als wir zu den Gesprächen mit dem kroatischen Verteidigungsminister unterwegs waren, von Rijeka, über die schwer unter Beschuss stehende Stadt Karlovac, nach Zagreb.
Immer wieder fuhren wir über verminte Landstraßenzüge, oft unsicher, wer gerade die Kontrolle hatte. Gefährlicher als die Minen, waren mir meine eigenen Landsleute. Als Serbe, von den Serben erwischt zu werden, konnte nur einen f743459344langsamen, qualvollen Tod bedeuten.
Und trotz allem hatte ich noch Zeit, die Bilder und ordentliche Kaffeepausen zu machen. Im Bild sieht man nicht mehr die Minensperre, die wir gerade passiert haben, dafür die Blockade der Kroaten mitten auf der Brücke. Dahinter steht ein Zementlaster.
Neben zusammengeschweißten Bahnschienen wurden sie als Panzersperren benutzt.

f709052968Die Bilder und die Erzählungen aus dem Vukovar haben damals mein Denken und mein Tun sehr beeinflusst. Einer meiner späteren Partner war zu der Zeit dort, wo er auch verwundet wurde, und bis heute immer noch Schrappnelstücke durch sein Körper wandern lassen muss. Das er damals zuckend schlief amüsierte mich. Es sollte gar nicht so viel Zeit vergehen, bis ich verstand.
Während unserer Autoreisen lachten wir oft über ihn als er so vor sich hin zuckte, und ich mir noch nicht vorstellen konnte, das ein Mensch dabei auch noch schlafen kann.
mrtavSpäter als ich für Jahre hindurch mit meinen treuen Begleiter Apollo unterwegs war, (denn Menschen waren mir alle fremd geworden) sah ich wie ähnlich wir Menschen und Tiere immer noch sind. Auch Apollo zuckte im schlaf, und ich verstand. Jetzt jagt er. Oder er wird gejagt. Erst nach dem ich aus dem Wahnsinn ausstieg, fingen auch bei mir, die unterdrückten und die unverarbeiteten Geschehnisse, sich in Form von Ängsten, Aggressionen und heftigen Albträumen mit aller Macht ihr Recht an das “Bewusst – Sein” zu erobern.
An dieser Stelle gebe ich zu das ich recht eitel bin. Um mich der Lächerlichkeit, nach Möglichkeit nicht Preis geben zu müssen, zog ich es vor, so wenig wie möglich zu schlafen. Und wenn doch, bloß nicht während der Nacht und dann am liebsten im Wald, weit ab von Menschen. Wo die wilden Tiere die fried- und freundlicheren Zeitgenossen sind. Dies ändert sich allmählich.

f748472864Die folgenden drei Bilder zeigen die Opfer des Raketenagriffs auf Zagreb 1995.
Dabei gewesen zu sein, lässt mich heute nachdenken:
Bomben gebaut, Waffen hergestellt und verkauft, über die Minenfelder gefahren, Raketen, Geschossen und Mördern knapp entkommen.

Warum sind so viele Menschen um mich herum gestorben?

Warum lebe ICH noch eigentlich?

Wenn auch in Kosovo aufgenommen, (Es ist eine serbische Familie, die nach der NATO Bombardierung von den Albanern vertrieben wurde.) erinnert mich dieses Bild an die geflüchteten Frauen und Kinder die ich in Rijeka und nicht nur dort sah. Als ich im Vorratskammer der Caritas (Aus Deutschland kamen nicht nur Waffen!) bei der Verteilung f742541904von Trockenmilch und anderen Lebensmitteln half, sah ich oft in solch verzweifelte Augen und weinende Kinder. Frauen trugen ihre Kinder im Arm und schubsten sich an, um die Lebensmittel, von mir zuerst zu bekommen. Es hat mich bis heute geprägt. Nicht nur dadurch, fühle ich mich Kindern und Frauen aufs Tiefste verbunden.

Die Geschichte meines Landes gleicht mir der Geschichte von Israel und Palästina. Werden auch die Kroaten, Bosnier, Albaner, Serben und wie wir noch alle heißen, weitere Jahrhunderte Leid und Schmerz ertragen, bevor wir verstehen dass es unabhängig von Gott und Religion eine Selbstverantwortung gibt?

Dass das Land für alle da ist, und der Gott nicht am Abzug drückt?

Und Moral der Geschichte?

bijeljina_ratni_zlocinIch glaubte mit der Waffe stark zu sein. Glaubte meine Ansichten durchsetzen und meine Ängste damit beseitigen zu können. Ich war aber auch von der Technik fasziniert. Von der Möglichkeit, durch das Zusammenspiel des Körpers, des Geistes, etwas Stahlblech und ein paar Gramm Kupfer und Blei auf große Entfernung jemanden töten zu können.

Heute verstehe ich mich besser. Es war die Angst, der Schmerz und die Unwissenheit die mich zu einer Waffe greifen ließen. Von der Heimtücke und der Feigheit des Sprengstoffes ganz zu schweigen. Keine Waffe vermag das zu erreichen, was wir durch das Aussprechen und das Zuhören bewirken können.

Meine Gedanken zu den Millionen Opfern Weltweit: es ist wichtig und richtig sich der Vergangenheit bewusst zu sein. Es ist aber fatal in der gleichen zu leben!

zlocin_war_crimes_odsijecanje_glave_sjekirom1Miteinander reden, um Verstehens willen. An uns ist es, die Saat der Erkenntnis des Leidens, für unsere Nachkommen in die Welt zu setzen. Tugend ist, dabei zu Wissen, ganz sicher wieder geboren zu werden. Ein Paradies, oder ein Leben im Überfluss, unter lauter Jungfrauen, dabei nicht verdienen zu können. Die Erlösung ist möglich. In diesem Leben. Hier und jetzt.

Am Anfang glaubte ich, wollte ich, an den “gerechten” Krieg glauben. Ich glaubte an die gute und die schlechte Seite. Bis ich im laufe des Krieges begriff dass alles gleich war.

Die Guten waren die Bösen.

Oder war es andersrum?

Schwarz und Weiß vermischte sich voll in das Graue.

So leidenschaftlich wie wir uns liebten, töteten wir uns ebenso.

Für mich brachte es noch eine Gewissheit – es gibt keine Gewinner.

In keinem Krieg!

Denn Kriege führen wir oft dort wo wir es gar nicht vermuten.

f707185232Es gibt nur leidige Verlierer. Und die Helden? Rechts ist einer zu sehen.

Wenn ich die Jugend sehe die so aufwächst, wird mir etwas bewusst. Es durchströmt mich, eine tiefe Sehnsucht nach Liebe und Frieden. Die Angst, diese Sehnsucht unerfüllt in den Alter leben zu müssen, lässt mich an meinen Tod denken. Ist es nun nur eine unbeholfene Zurechtmachung, oder soll ich der Vorsehung tatsächlich dankbar sein, so viel Leid gesehen, so viel Leid gelebt und verursacht zu haben? Ist das mein besonderer Weg der Schulung? Um mir und der Menschheit doch noch einen Großen Dienst erweisen zu können? Die Erwachung erscheint mir zum Greifen nah.

Die Reise

Das es überhaupt zu der Reise kam, gebrauchte so vieler Zufälle, dass selbst ich, in meiner Ablehnung jeglicher Höheres doch an meiner Überzeugung zweifeln könnte. Die genauen Umstände werden in dem Buch das ich zu schreiben begann, den Platz finden den sie verdienen. Ohne die Liebe und der Freundschaft wäre nicht nur die Reise Vision geblieben.

Eine Zukunft, so viel muss gesagt werden, hätte es gar nicht gegeben. Susanne gebührt hier die besondere Anerkennung.

Die Vorbereitungen für meine erste Reise in die verlorene Heimat fing damit an, dass wir das Wohnmobil aus Portugal holten. In Südspanien besuchten wir Diego. Wir lernten uns, so wie viele andere wunderbare Menschen auch, in Tamera kennen. Er ist der erste Mann seit der Kriegszeit zu dem ich eine wahre Freundschaft entwickeln konnte. Bis heute bin ich fast unfähig auf das eigene Geschlecht einzugehen.

Für mich sind sie für alles was mir in Sachen Krieg widerfahren ist, und für die Gewalt weltweit – die Hauptverantwortlichen.

Nach zehn Jahren war es dann soweit nach Kroatien zu reisen. Mit jedem Kilometer den wir Richtung Slowenien machten, fuhr ich in den Gedanken in meine Vergangenheit. Dreizehn Kilometer vor der Grenze, brach ich auf dieser ersten Reise psychisch zusammen. Susanne wußte nicht was sie machen sollte. Das Letzte was ich sagte, war dass sie mich im Wald alleine lassen sollte. Danach lag ich mehrere Tage im Wohnmobil und war nicht ansprechbar. Schließlich fuhr sie nach Deutschland zurück, zu einem Freund wo ich mich einige Wochen in Ruhe mit dem Leben und mit dem Tod auseinander setzen konnte.

Wiebke Ken Shin und Claude An Shin Thomas

Eine Danksagung

Die Umstände die dazu führten das wir uns trafen waren besondere. Was wiederum nicht so besonderes ist. Zunächst sprach alles dafür dass ich die Depression und die Hoffnungslosigkeit in der ich steckte nicht überleben würde. Und mit mir eine unbekannte Anzahl unschuldiger Menschen. Der Kampf in mir, und der Kampf mit mir, hat im Laufe der Wochen jegliche Zuversicht auf die Zukunft absterben lassen. Ich fühlte mich schwach. Betrachtete mich als Versager weil ich die Reise nicht mal richtig anfangen, geschweige denn zum Ende führen konnte. Ich glaubte, niemals mehr aus meinem Elend heraus kommen zu können. Mein Zustand wirkte desuströs auf mich und meine Mitmenschen.

Selber zu leiden war schon schmerzlich genug. Zu sehen aber wie durch mich die geliebten Menschen um mich herum mitleiden mussten machte mein Elend noch größer. Das Leiden in mir würgte mir die Kehle zu. Mein Schmerz war grenzenlos. Kurzum, ich glaubte nicht mehr an den Sinn des Lebens.

So beschloss ich, besonnen und endgültig, dem ein Ende zu setzen. Ich dachte dabei über die Art, wie sich das meiner Überzeugung nach am besten bewerkstelligen ließe.

Pillen oder ähnliches? Kam nicht in Frage!

Etwas für Schwächlinge. Feige ist es auch noch.

Vielmehr dachte ich an die Pferde.

Schwerverletzt gibt man ihnen einen Gnadenschuss. Das erschien gut.

Die Waffen ausgraben. Mein unermäßliches Leid endlich besiegen.

So viele Menschen wie möglich erschießen bis man mich erlösen würde.

Ich wusste aus früheren Gesprächen das Claude AnShin in Deutschland war.

Ein unbekannter, und dennoch ein wenig vertraut. Wie alle Menschen zu diesem Zeitpunkt, für mich sehr weit weg. Sein Buch aber, das ich letztes Jahr in Tamera las war ganz nah. War in mir. Ich hörte mir am Telefon den Vorschlag meiner Gefährtin an, einen Vortrag Clauds in Essen zu besuchen. Einleuchtend schien es mir als sie sagte, mich danach doch immer noch umbringen zu können. Der Gedanke fand gefallen.

So säte ich einen winzigen Keim Hoffnung und begoss ihn mit den letzten Tropfen Lebenskraft die ich noch hatte. Mehr Tod als lebendig ließ ich mich zwei Tage später nach Essen fahren und war dann doch mehr gespannt denn gleichgültig. Ich sah recht viele Menschen die darauf warteten das er rein kommen würde, um zu hören was er zu sagen hatte. Und während ich von Gesicht zu Gesicht streifte und meinen jeweiligen Vorurteilen freien Lauf lies, schlich sich ein Gefühl der Skepsis in mich hinein. Womöglich wieder ein falscher Prophet und möchte gern Weltverbesserer? Doch alles für die Katz? Ich setzte mich ganz hinten, nah am Ausgang hin, (Immer wichtig einen Fluchtweg zu haben!) und wartete. Als er herein kam und nach einer kurzen Zeremonie zu reden begann, hörte ich nicht wirklich zu. Meine Gedanken schweiften in die Vergangenheit, um wenn auch kurz, so immer wieder in Hier und Jetzt denn Weg zurück zu finden. Ich schaute dabei in sein Gesicht und versuchte in einzuschätzen. So verging die Zeit mehr oder weniger bewusst. Was wirklich zu mir durchkam waren wenige Sätze. “Krieg ist keine Lösung” hieß es. Und das es gilt das eigene Leid nicht weiter zu geben.

Die Worte die mein Bewusstsein prägten kamen aber nicht direkt von Claude zu mir.

Eine zierliche, schöne, junge Frau saß zu seiner linken. Wiebke KenShin. Sie übersetzte das ausgesprochene beinahe zeitgleich. Und was nicht minder zu bewundern war, nicht bloß die nackten Wörter. Sie übermittelte auch die Kraft die darin gekleidet war. Das Bild was ich hatte, war ein Gemälde der alten Turiner Meister. Das sanft weibliche und geprägt männliche in einer perfekten Symbiose der Geschlechter. Jeder auf eigene Weise kraftvoll und dabei Sanftmut ausstrahlend.

Dies war der erhoffte Anlass, die Pläne für mein gewaltsames Ableben nun doch noch für einige Tage zu verschieben.

Ich wusste, es gäbe in den darauf folgenden Tagen einen Straßenretreat in Köln.

Es war klar, dort wollte ich die beiden wieder treffen. Drei Tage später war es dann so weit. Ich hatte vor mit Claude zu reden, und war verunsichert.

Es war zu erwarten das auch andere dort sein würden, und so zweifelte ich daran ob er überhaupt Zeit und Lust haben würde um sich auf ein Gespräch einzulassen. Zudem ich kein Teilnehmer am Retreat war.

Und dabei war ich mir doch so wichtig.

Die Angst ging weiter.

Ich wollte auf gar keinen Fall die Fragen die ich hatte vor allen Menschen in der Gruppe stellen. Meiner früheren guten Erfahrung folgend, beschloss ich dem ein wenig nachzuhelfen. Ganz wie im Buch “Es muss nicht immer Kaviar sein” pflegte auch ich so manches mal besondere Situation durch ein lecker zubereitetes Essen zu meistern. Dies war nun eine besondere Situation und mein Gang führte mich folgerichtig in die Großküche des Restaurants wo ich zu der Zeit lebte und arbeitete.

Es sollte genug für alle und praktisch auf der Straße zu servieren sein. Eine Pizza erschien Mittel der Wahl. Ich bereitete alles sehr gewissenhaft und mit dem nötigen Ernst vor. Machte denn Teig fertig, um anschließend voller Liebe ein großes Blech Pizza zu backen. Vegan, versteht sich. Ich dachte an all die unbekannten Menschen die ich treffen würde und war geradezu entzückt von dem Bild das sich in meinem Kopf abzeichnete. Die Sache war ernst. Es ist also fast überflüssig zu erwähnen das mir keiner helfen dürfte.

Diese Pizza war Chefsache! Fortsetzung folgt…

Zwei Jahre später…

…Wir sind wieder unterwegs

Von Klagenfurt aus, der alten Gebirgsstraße folgend geht es zum Ljubelj – Loiblpass. Ljubelj war damals immer wie ein kleines Zauber. Kaum war man raus aus dem Tunnel, schon war man in Jugoslawien. Die Grenzanlagen, wurden bei dem Abzug der Jugoslawischen Volksarmee aus Slowenien zerstört. Für mich die erste Begegnung mit dem Krieg als ich kurz darauf dort vorbei fuhr.

Die Entfernung vom Berlin etwa 970 km. An der Slowenischen Grenze angekommen, kämpfte ich mit meinen Gefühlen, meinen Errinerungen, und versuchte meine hochgradige Nervosität unter Kontrolle zu halten. Zum ersten, aber nicht zum letzten mal mussten wir, während andere durchfuhren, erstmal rechts ran fahren und warten. Der Grenzer musterte abwechselnd mich und mein Reisedokument und wusste weder mit mir, noch mit meinen Dokument etwas anzufangen. So ging er erstmal wieder um sich beim Vorgesetzten schlau zu machen. Nun, geholfen hat es ihm offenbar wenig. Ein Deutsches Reisedokument, vom Namen her ein Serbe, vom Geburtsort her ein Kroate. Ich sah lauter Fragen in seinen Augen. Und Ablehnung in seinem Gesicht. Nach der Überprüfung ob ich denn womöglich gesucht werde, lag es an mir, seine immer wieder kehrende Frage, mit Ruhe und Geduld immer wieder gleich zu beantworten. Nein, ich bin kein Deutscher, nein bin kein Serbe, nein ich bin auch kein Kroate. Was mir zurück schallte war der Satz: “Das gibt es nicht, von irgend wo müssen Sie doch herkommen. Also wer sind Sie?” Wie konnte ich ihm eine Antwort geben wo ich seit Jahren selber versuche, eben das heraus zu finden.

So ging die Runde weiter…

Am Ende bekam ich von einem genervten und überfragten Grenzbeamten mein REISEDOKUMENT wieder und es reichte gerade mal für ein schroffes “Fahren Sie!”. Einige Straßenbiegungen weiter Richtung Tal, hielten wir an um meinem Geist und meinem Körper eine Ruhepause gönnen zu können.

Nach zehn Jahren war ich dort zurück gekehrt wo früher meine Heimat war.

Kroatien

Die Reiseroute durch Kroatien. Die blauen Punkte kennzeichnen die Zwischenstops. Übernachtet haben wir in Klagenfurt, Rijeka, Plitvice und Vukovar.

Die Route folgte den Straßen die ich damals unter Lebensgefahr befuhr.

Von den Minenfeldern gibt es immer noch ganz viele.

Rijeka

f114970288Das Bild zeigt meine Geburts-,

meine ehemalige Heimatstadt.

Rijeka ist der größte Hafen an der Adria. Vor dem Krieg in Kroatien eine sehr lebhafte und typisch jugoslawisch multinationale touristische Stadt mit etwa 170.000 Einwohnern. Von den Bomben verschont diente es vielen Flüchtlingen und Verwundeten als neuer Wohn- und Erholungsort.

Das erste Ziel bei unserer Ankunft in die Stadt, war der Friedhof wo meine Eltern bestattet sind. Zehn lange Jahre war es mir nicht vergönnt sie zu besuchen. In einem Land wo der Tod und die Toten zum Leben gehören war es mein sehnlichster Wunsch zuerst mit ihnen zu sprechen. Ich weiß nicht wie lange ich bei ihnen war. Ich führte ein Zwiegespräch mit meinen Eltern und meinen Vorfahren. Es durchströmte mich ein Gefühl der Kraft und Verbundenheit. Zum ersten mal seit vielen Jahren konnte ich weinen. Ich war wieder Zuhause. Oberhalb der Stadt blickte ich auf die Menschen mit denen ich groß geworden bin. Und dachte an die Worte die ich überall hörte: “Sie sind ein Ausländer!” “Gehen Sie dorthin zurück von wo Sie her gekommen sind!” Seit langen Jahren lassen mich die Fragen nicht los. Wo ist denn meine Heimat? Von wo komme ich denn her? Wer bin ich denn, und wer sind meine Freunde? Langsam begriff ich dass ich eine Heimat, einmal verloren, genauso wenig wieder finden kann, wie ich die eigene Kindheit wieder zu finden vermag.

Auf dem Weg zu den Plitvicer Seen …

Von Rijeka ging es also nach knapp einer Woche in Richtung Senj, und dann weiter zu den Plitvicer Seen. Senj war während des Krieges so was wie letzte sichere Stadt vor der Front.

… wo vom Krieg nicht mehr zu sehen war – außer in meinem Kopf

… Gesegnet seien die Ahnungslosen, denn sie leben glücklich.

So etwa erlaube ich mir die Bergpredigt abzuändern in Anbetracht dessen was ich auf den plitvicer Seen sah, oder auch nicht.

Die Gegend hatte ich anderes in Erinnerung. Abgebrannte Hotels, verminte Straßen, kleine Schützengraben, Tote. Die Zahlreichen Touristen aus allen Herren Ländern liefen durch die wunderschöne Landschaft ohne was zu ahnen. Die Behörden haben die ganze Arbeit geleistet. Nicht sollte aufzeigen dass hier vor wenigen Jahren Kroatisches Militär die eigene Bevölkerung, die serbische Minderheit vertrieb und ermordete.

Ich lief die Holzstege ab und merkte wie sich mein Gemütszustand minütlich änderte. Wut und Trauer wuchsen. Ich schaute auf die ganzen Menschen die dicht gedrängt an mir vorbei gingen und beherrschte mich mühsam nicht los zu schreien. “Seht hier! Es ist so viel Blut hier geflossen. Sieht ihr dass nicht?!” Selbst meine Gefährtin zu sehen wie sie diese Fotos machte, machte mich rasend. Ich umklammerte die Mala in meiner Hosentasche die ich in Köln von Wiebke KenShin als Geschenk bekam, und versuchte meine Gefühle zu bändigen. Sie zu verstehen. Ich ging Holzkugel für Holzkugel durch, atmete tief ein und aus und bemühte mich meine Aggressivität unter Kontrolle zu halten.

Eine gute Stunde brauchte ich um meine Gefühle, statt zu verdrängen, versuchen sie zu verstehen. Ich begriff dass ich neidig war. Bekam mit dass mein Leid groß war. Ein Spiel für die Götter. Nicht für Menschen. Ein Gefühl der Ohnmacht. Nicht von dieser Welt. Die Fäuste in den Taschen zusammen geballt war ich dabei mein Leid weiter zu geben. Als ich die ganzen Menschen sah, wie sie lachten, wie sie die Natur genossen glaubte ich um meine Jugend, um mein Seelenfrieden, um alles was es hätte schön sein können betrogen worden zu sein. Ich begriff aber auch, dass diese Menschen dafür nicht können. Es wurde mir klar dass meine Vergangenheit mich daran hinderte die Natur JETZT und HIER zu genießen.

So kam ich dem Buddhismus ganz nah. Ich merkte wie sich die Übung in HIER und JETZT sofort auf meine Lebensqualität auswirkten. Ich begann etwas ruhiger zu atmen. Plötzlich sah ich Fische im Wasser.

Vukovar

Gewollt war diese Station nicht. Zu viele Ängste und Schmerz verbinde ich mit dieser Stadt. Als die Polizei mir die Einreise nach Serbien verwährte gab es drei Möglichkeiten. Die erste ward zu gleich verworfen. Wenn auch mit defektem Getriebe wollten wir nicht gleich die Rückreise antreten. Was blieb, waren Zagreb und Vukovar. Wo Serbien jeweils eine Botschaft und ein Konsulat hält. Da es mittlere Weile spät abends war und wir auch nicht mehr ganz frisch, entschieden wir uns nach nur dreißig Kilometer entferntes Vukovar zu fahren. Wir übernachteten auf einem großen Getreidefeld vor der Stadt. Am nächsten Tag, es war ein Sonntag, fuhren wir hin. Als wir am Straßenschild mit den Namen der Stadt vorbeifuhren, mischte sich so vieles in meiner Seele, dass ich nicht mehr wirklich ansprechbar war. Ich kenne die Stadt vor der Zerstörung. Im Krieg war ich nicht dort, befolgte aber wie viele andere auch monatelang die Tragödie die sich hier abspielte. Traf auf Menschen die es aus der Stadt schafften und hörte grausames. Wir parkten im Stadtzentrum, um am Donauufer zu spazieren und zu frühstücken. Als wir los gingen, gingen auch die Filme in meinem Kopf los. Wie läuft man durch eine Stadt die immer noch stark zerstört ist und auf jedem Meter der Krieg existent wird?

Es zeigte sich dass der Krieg in seiner Auswirkung überall gleicht. Ich sah Einschusslöscher, Reste von Granaten und Granateinschlägen. Ich sah die Gesichter der Menschen. Plötzlich hörte ich Menschen schreien, Kinder weinen, Granaten einschlagen, Querschläger pfeifen.

Es war mir schwer meine Wahrnehmung in Hier und Jetzt zu halten. Die Macht der Vergangenheit holte mich immer wieder in die andere Realität. Wie unter Zwang dachte ich nach. Ich dachte darüber nach wie sinnlos der gewaltsame Tod jedes einzelnen ist. Ich dachte darüber nach wie sinnlos es ist wenn tausende sterben müssen. Der gewaltsame Tod ist für uns so unfassbar, dass wir es nicht anderes können als zu versuchen diesen Tod und den Toten einen Sinn zu geben. Ich sage mir, im Töten und in den Toten gab es nie einen Sinn und es wird nie einen Sinn geben. Die Nacht darauf verbrachten wir in der Stadtnähe. Einem ehemaligen Erholungscenter am Donauufer, mit dem Blick auf die andere, auf die serbische Seite. Und die Nacht war buchstäblich ein Albtraum. Es erscheint mir beispielhaft, und so will ich euch gleich davon erzählen.

Vom Platz aus wo wir parkten ging ich zunächst so lange es hell genug war, in das zuwachsende Dickicht. Ich prüfte den Weg nach möglicher Landminengefahr, um später ruhig Pinkeln zu können. Tatsächlich entdeckte ich zwei Hinweise in Form von aufgespießten Cola Dosen und sagte Susanne Bescheid. Dabei äußerte sich wieder unsere verschiedenartige Wahrnehmung. Sie sprach vom Gefühl der Angst und Unsicherheit. Für mich war es einfach ein Gebüsch. Ich legte mich hin und schrieb unter dem Eindruck der Stadt einen Kurzgedicht. Las eine der vielen Biografien Nietzsches und versuchte denn übermächtigen Kreis der Gedanken durch das Abschalten Herr zu werden. Nicht half, und so quellte ich mich in den Schlaf hinein.

Zwölf Jahre früher. Ich bin am gleichen Platz und mache meine Späße, während ich einem guten Freund (der eigentlich aus Rijeka kommt) beim Fischen zuschaue. Der Fluss trägt viel Wasser und die kleine Insel die sonst Ruheplatz für viele Vögel bietet, ist nicht mehr zu sehen. Übermutig lachend frage ich ihn ob er es schafft etwas zu fangen, bevor ihm die Wachposten von der anderen serbischen Seite die Eier abschießen. Noch bevor er antworten kann sehe ich etwas den Fluss herunter kommen. Ich schubse seine Schulter an. Er schaut kurz hin, um dann sprunghaft aufzustehen um noch besser sehen zu können. Zwanzig, dreißig Meter Flussaufwärts bewegt sich etwas hellgrünes auf uns zu. Ich will es besser sehen und so versuche ich zügig aber vorsichtig die Schräge, die aus glatten Pflastersteinen besteht, bis zum Wasser herunter zu kommen. Schon bis zu den Knöcheln im Wasser, einschätzend das es nur wenige Meter an uns vorbei schwimmen würde rufe ich ihm zu, er soll mir schnell einen langen Holzstock besorgen. In der Zeit laufe ich den Ufer entlang und behalte es im Auge. Als ich einen langen verzweigten Stock bekomme, versuche ich es mit einer Hand es so fallen zu lassen das es hängen bleibt. Geschafft! Ich muss aber aufpassen dass es sich nicht loslöst und kann es nur ganz langsam zu mir ziehen. Noch bevor es so weit ist, wird mir klar dass das eine Leiche ist. Beine und Kopf unter dem Wasser, und das grüne Hemd auf dem Rücken wie eine fast versenkte Wasserboje. Die dünnen Zweige des Holzstockes geben unter der Kraft der Strömung nach. Langsam, in einem großen Bogen lasse ich den Stock durch die Luft gleiten und schaffe es wieder die Zweige mit dem Stoff zu verhaken. Beinahe in Zeitlupe, ganz vorsichtig ziehe ich die Leiche weiter zu mir. Es ist der Körper einer Frau. In dem Augenblick als ich nach dem Arm greife, kommt die Halspartie aus dem Wasser und ich kann sehen dass der Kopf fehlt. Die abgeschnittenen Hautränder und die Fetzen von Venen sind angeknabbert. Auf der anderen Seite wird man auf uns aufmerksam. Mein Freund redet auf mich ein, die Leiche im Wasser zu lassen und zu verschwinden. Für sie könnten wir eh nicht mehr tun. Ich halte immer noch den rechten Arm der Frau fest und strenge mich an, sie raus zu ziehen. Gleichzeitig fange ich an ihn anzuschreien, er solle sich nicht in die Hose machen sondern versuchen nach dem Kopf Ausschau zu halten. Ich will die Frau unbedingt mit ihren Kopf begraben. Er schreit zurück: “Verdammte Scheiße, weiß doch so wie so keiner wer sie war! Soll ich jetzt noch wegen der Tussi erschossen werden!?” Ich schaffe es, die Frau so weit heraus zu ziehen um sicher zu sein dass sie nicht mehr fort getrieben werden kann und fange fieberhaft, ziellos und panisch an nach dem Kopf zu suchen.

In diesem Augenblick wache ich auf. Schweißgebadet. Mein Herz rast und ich spüre wie mir das Blut in den Schläfen pocht. Erstarrt, versuche ich für Sekundenbruchteile wahr zu nehmen wo ich bin. Ich bin bis in die letzte Zelle meines Körpers mit Angst erfüllt. Begreife, bin im Wohnwagen. Trotzdem Angst. Panische Platzangst. Bin wie Gelähmt. Zeit vergeht. Stille. Langsam gewinne ich wieder die Kontrolle über mein Körper und bewege meine Hände. Versuche leise zu sein. Langsam steige ich über Susanne um zu der Tür zu kommen. Am liebsten würde ich panisch heraus rennen. Bemühe mich aber keinen Lärm zu machen und die Tür langsam aufzuschließen. Nackt wie ich bin, trete ich hinaus in die Dunkelheit. Spüre die Kühle der Nacht auf meiner Haut und schaue gen Himmel. Sterne verblassen. Bald wird es hell. Dann kann ich versuchen wieder zu schlafen. Ich bin am Leben.

Ausblick

Durch die serbischen Behörden war es uns nicht möglich, die Reise im ersten Anlauf zu beenden. Ich weiß aber, dass sich mein Kreis der Identitätsfindung und der Vergangenheitsbewältigung erst in Serbien, erst in Kosovo schließt. Die Quellen des Leidens meiner Vorfahren befinden sich im Süden Serbiens. Und ich weiß dass auch ich von diesen Quellen getränkt wurde. Ich werde wieder dort sein. Irgendwann.

“Willst du wissen wer du warst, so schau, wer du bist.

Willst du wissen, wer du sein wirst, so schau, was du tust.”

BUDDHA