Krieg in Kroatien 1991 – 1995

Warum kam es in Kroatien zu Auseinandersetzungen?

Im folgenden soll ein zusammenfassender Überblick über die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Zeit von 1991 bis 1995 zwischen dem später unabhängigen kroatischen Staat unter dem damaligen Präsidenten Franjo Tudjmann und der serbischen Seite unter der Führung von Slobodan Milosevic geboten werden. Die Ausführungen konzentrieren sich gegen Ende um die Wiedereingliederung der ehemaligen Region Krajina in den kroatischen Staat.
Hiermit sollen nicht Aktionen und Kriegsverbrechen von Seiten der regulären und paramilitärischen serbischen Verbänden gegen die kroatische Seite bzw. Zivilbevölkerung in dem oben genannten Zeitraum negiert werden: Die Konzentration auf die Aktion “Oluja” oder “Sturm” der kroatischen Streitkräfte basiert lediglich darauf, dass hier bezüglich eine breitere Quellenauswahl zur Verfügung gestanden hat.
Ferner symptomatisch für die Thematisierung dieser Ereignisse ist die Abstinenz einer ernsthaften Auseinandersetzung in den serbischen sowie in den kroatischen Medien, vor allem über die Zeit der sich verselbständigten Republika Srpkska Krajina bis 1995. Beide Seiten beschränkten sich zumindest unter ihren alten Führungen in einer Glorifizierung des erreichten Status quo des beanspruchten Gebietes in den jeweiligen Perioden. Nach Abzug der Jugoslawischen Volksarmee aus Slowenien im Sommer 1990 intensivieren sich die Auseinandersetzungen zwischen der kroatischen Regierung und der in der Krajina Region lebenden serbischen Minderheit um die Unabhängigkeit Kroatiens oder einem möglichen Verbleib in einem jugoslawischen Rumpfstaat. Als Eskalationszeitpunkt wird in der Literatur oft der 17. August 1990 genannt. An diesem Tag werden in der Gemeinde Knin (vor dem Krieg zu ca. 89 % von kroatischen Serben bewohnt) von dortigen serbisch dominierten Polizeieinheiten Barrikaden errichtet – aus Protest gegen beschlossene Verfassungsänderungen über die Änderung bzw. Einschränkung der Minderheitenrechte durch die noch nicht souveräne kroatische Regierung.

Doch das Machtvermögen der kroatischen Regierung beschränkt sich zu diesem Zeitpunkt lediglich auf rein deklarative Verlautbarungen. Denn gleichzeitig entscheidet sich in einem Referendum eine Mehrheit der serbische Bevölkerung in der Krajina für eine Autonomie des Gebietes, was zur Folge hat, dass innerhalb des Gebietes der ehemaligen sozialistischen Teilrepublik Kroatien das “Serbische Autonome Gebiet Krajina”(Republika Srpska Krajina, RSK) ausgerufen wird.

Gemeinden mündet in der Formierung einer bewaffneten Einheit, die sich zum politischen Faktor entwickelt, jedoch jegliche Versuche, während des Krieges zivile Verwaltungsstrukturen aufzubauen unterminiert. Militärisch und politisch handlungsfähig sind sie jedoch lediglich unter der Ägide von Milosevic (links: Tudjman u. Milosevic) und dem serbische Ministerium für innere Sicherheit. Somit erreicht Milosevic, dass der erste Präsident der RSK, Milan Babic, nur über Serbien seine Interessen definieren und wahrnehmen kann. Konkurrierend dazu entwickelten sich im Einheiten der territorialen Abwehr (TO), die eine militärische Funktion erhalten sollten. Im März 1991 eskalieren Kämpfe zwischen kroatischen Polizeieinheiten und extremistischen serbischen Kräften um die Gebiete von Pakrac und den Plitvicer Seen. Es formieren sich kroatische Territiorialkräfte, die später in die Nationalgarde umbenannt werden. Der noch-jugoslawische Staatspräsident Borisav Jovic ermächtigt am 05. Mai 1991 die sich noch als neutral definierende und den jugoslawischen Staatenverbund zu verteidigen vorgebende jugoslawische Volksarmee (JNA), in Kroatien zu intervenieren.

Am 25. Juni 1991 erklären Kroatien und Slowenien ihre Unabhängigkeit, was letztendlich zu einer offenen Konfrontation zwischen der JNA und des neu gebildeten Staates Kroatiens führt. Zu Beginn versucht die JNA noch neutralisierend zu agieren, indem sie zwischen den Kriegsparteien so genannte Tamponzonen aufbaut. Die Idee ist, zumindest noch ein Rumpfjugoslawien zu retten. Jedoch im Verlauf der Zeit verbleibt sie nur nominell jugoslawisch. Mit dem Zerfall Jugoslawiens reduziert sich die Armee bis sie Ende Sommer 1991 auf ihre serbischen Elemente bzw. der verbliebene Teil spaltet sich bis 1993 in drei Teile auf: in die Armee Jugoslawiens (Serbien und Montenegro), der Republika Srpska (Bosnien) und der Srpska Krajina (der serbischen Krajina).

Vor allem in den Auseinandersetzungen um Vukovar (Slavonien) seit Herbst 1991 wird der Ideologie- und Neutralitätsverlust der JNA deutlich. Als politisches Instrument von Milosevic fungierend verliert sie jegliche Autoritätsgewalt und dient den paramilitärischen Einheiten letztendlich als taktischer Berater und Bereitsteller von Kriegsgeräten. Formell dem Kommando der JNA unterstellt, stehen die verschiedenen paramilitärischen Einheiten unter dem Machteinfluss der Führung in Belgrad und dem serbischen Ministerium für innere Sicherheit, was oft zu Konflikten zwischen der JNA und den serbischen Paramilitärs führen soll. Noch 1991 werden ein Drittel des Territoriums der Kroatischen Republik von der “JNA” besetzt.

1992 werden UN-Truppen – Unprofor – in Kroatien stationiert, nachdem der Vance-Owen-Plan von den Konfliktparteien akzeptiert wird. Es werden vor allem dort Schutzzonen gebildet, wo kroatische Serben eine Mehrheit oder auch eine maßgebliche Minderheit darstellen und wo es bereits zu bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen ist. Insgesamt entstehen vier Schutzzonen: Sektor Nord, Süd, Ost und West. Zu diesem Zeitpunkt umfasst die Region Krajina die ehemaligen UN-Schutzzonen Sektor Süd und Sektor Nord sowie die Gemeinden von Benkovac, Donji Lapac, Drnis, Gracac, Knin, Korenica, Obrovac, Sibenik, Sinj und Zadar.

Am 22. Januar 1993 versucht Kroatien mehrere Offensivwellen zur Rückeroberung der verloren gegangenen Gebiete in der ehemaligen Krajina einzuleiten. Noch im Frühling zeichnen sich die Beziehungen zwischen dem Dreieck Republika Srpska-Beograd-Zagreb ab: die Führung der Republika Srpska lehnt es ab, (obwohl die Verbindungen der Streitkräfte auf logistischer und führender Ebene zwischen den serbischen Entitäten eng war), militärisch der serbischen Führung in der Krajina gegen die kroatische Offensive zu Hilfe zu kommen, denn auf Kosten der Serbischen Republik Krajina, wäre sie in der Lage noch Territiorialansprüche in Bosnien geltend zu machen.

Am 4. und 5. August 1995 beginnen kroatische Streitkräfte (Militär und Polizeieinheiten) einen Blitzangriff “Oluja” oder “Sturm” auf das Gebiet der ehemaligen Krajina. Die Offensive vollzogen von kroatischen Kräften von ca. 150.000 Truppenenmitgliedern endet mit einer erzwungenen Vertreibung von ca. 150.000 bis 200.000 Krajina-Serben (links: fliehende Krajina-Serben) – bezeichnenderweise auf dem Gebiet der ehemaligen UN-Sektoren Nord und Süd, was eine Fläche von 10.500 Quadratkilometern ausmacht. In dieser Aktion werden serbisch bewohnte Städte und Dörfer von der kroatischen Armee, unterstützt von Flugstreitkräften, unter starkem Artilleriebeschuss genommen. Besonders massiv wird die ehemalige Hauptstadt der RKS, Knin. als bedeutender strategischer Faktor beschossen (20 – 30 % der zivilen Gebäude und Einrichtungen werden dabei direkt oder indirekt zerstört). Am stärksten betroffen sind die Städte Benkovac, Obrovac, Drnis, Vrginmost, Vojnic, Glina, Petrinja und andere in der Krajina-Region.

Das Vorgehen der kroatischen Einheiten ist nach Angaben einer damaligen UN-Komission geprägt von einer Systematik und Planmäßigkeit, die von der kroatischen Führung unter Franjo Tudjmann und dem kroatischen Militär bewusst antizipiert worden sein soll. Des Weiteren wird eine hohe Anzahl von zivilen Opfern in Kauf genommen bzw. es findet de facto eine offene ethnische Säuberung statt, auf die die serbische Führung mit erstaunlicher Zurückhaltung reagiert hat. Somit erreicht Kroatien wieder eine territoriale Integrität der Region Krajina, die jedoch wie bereits erwähnt eine völlige Veränderung der ethnischen Zusammensetzung der Region nach sich zieht. Der gesamte Anteil der serbischen Minderheit in Kroatien von 12 % wird auf unter 3 % reduziert. Gebiete (vor allem im Sektor Nord) die von kroatischen Serben bewohnt waren, werden nun von aus Bosnien geflüchteten bosnischen Kroaten besiedelt.

Was haben die Serben in Kroatien gesucht ?

Warum gab es in Kroatien große serbische Minderheiten?
Die Krajina bestand aus zwei räumlich getrennten Gebietsteilen Kroatiens mit starkem serbischen Bevölkerungsanteil. Im Westen lag die Region Oblast Krajina mit der Hauptstadt Knin und im Osten die Regionen Slavonija, Baranja und West-Srem mit der Hauptstadt Vukovar. Nach der Erklärung der Unabhängigkeit (“Republika Srpska Krajina”) fanden in dieser Region von 1991 bis zum Waffenstillstand 1994 und der Eroberung durch die kroatische Offensive 1995 schwere Kämpfe statt.

Im August 1995 wurden die westlichen Gebiete der Krajina Kroatien eingegliedert. Das restliche Gebiet (Ost-Slavonien) wurde unter dem Namen “Sremsko Baranjska Oblast” (Westsemberijen und Baranja) unter UNO-Aufsicht gestellt. Am 19. Mai 1997 wurde das Gebiet in Kroatien eingegliedert. Von bedeutendem Einfluss auf die Entwicklung Kroatiens war die Jahrhunderte lang andauernde Grenzsituation zum Osmanischen Reich, dessen Expansionsbewegung mitten in Kroatien endete.

Die Kriege, welche bereits im 15. Jahrhundert begannen Kroatien in Mitleidenschaft zu ziehen, brachten starke gesellschaftliche Veränderungen, Verschleppung und Flucht mit sich. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurde das Grenzterritorium, das fast identisch mit der heutigen Krajina ist, durch die ständigen Angriffe des Osmanischen Reiches stark entvölkert und zerstört. Zur erneuten Befestigung dieses Territoriums wurden auf beiden Seiten des Grenzverlaufes Festungen errichtet und das Gebiet wurde wieder neu besiedelt. Allen Siedlern wurde freier Grundbesitz und völlige persönliche Freiheit zugesichert mit der Gegenleistung, kostenlosen Militärdienst im Falle osmanischer Angriffe zu leisten. Von den Privilegien angelockt, siedelten sich vor allem orthodoxe Vlachenfamilien (Walachen) aus dem Osmanischen Reich an, die durch die osmanischen Eroberungszüge aus ihrem eigenen Land vertrieben wurden.
Während des 16., 17. und auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts kamen neben orthodoxen auch katholische Vlachen (Bunjevci) und Kroatenfamilien aus dem kroatischen Hinterland und dem osmanisch besetzten Bosnien als Siedler in die Krajina (ca. 60% Orthodoxe und 40% Katholiken). Das Ausschalten des kroatischen Adels durch die Militärbehörden und durch den Kaiser und der Entzug des Einflusses der kroatischen Verwaltung, bewirkte ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Entwicklung einer neuen Ordnung in dieser Region. Dabei kam den unbesoldeten Grenzern zur Verteidigung des Territoriums und bei der militärischen Organisation der Grenze eine bedeutende Rolle zu. Ein weiterer Aspekt jener Region war die Landwirtschaft, allerdings ausschließlich zum Eigenbedarf. Nachdem das Osmanische Reich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kaum noch eine nennenswerte Bedrohung für das Habsburger Reich darstellte und eine Reduzierung der Grenzbefestigungen jedoch am Widerstand der Grenzer scheiterte, wurden diese in die stehende Armee des Reiches eingegliedert. Somit wurde aus dem bisher sesshaften Grenzer ein Berufssoldat.
Damit Tod oder längere Abwesenheit nicht das Ende von Familie und Landwirtschaft bedeuteten, waren die Militärbehörden daran interessiert, die Hausgemeinschaften möglichst groß zu halten. Die Aufhebung des Feudalsystems in Kroatien 1848 und damit das Ende fast aller Privilegien der Grenzer gegenüber der kroatischen Bevölkerung stellten das System der Militärbauern zunehmend in Frage, bis 1871 erst die ostslavonischen Grenzgebiete und 1881 die komplette Militärgrenze aufgehoben wurden. Damit erhöhte die Bevölkerung der Krajina (ungefähr 700.000 Menschen) die Einwohnerzahl Kroatiens von 1,2 auf 1,9 Millionen. Mit der Eingliederung in Zivilkroatien fiel die Krajina in den Verantwortlichkeitsbereich des ungarischen Reichsteiles (vorher Österreich). Durch den Wegfall der einstigen Privilegien und der nun hohen Besteuerung kam es bald (1883 und 1890) sowohl in serbischen als auch in kroatischen Dörfern zu massiven Aufständen. Die schon länger andauernde ökonomische Krisensituation in den ländlichen Gebieten der Krajina führte zwischen 1900 und 1910 zu starken Emigrationsbewegungen, vor allem nach Amerika.

Die Solidarität der Bevölkerung hielt bis zum Ende des 1. Weltkrieges, bei dem auch 15.000 kroatische Serben in der K.u.K.-Armee u. a. gegen Serbien kämpften. Mit der Gründung der SHS-Monarchie (Serbien, Hrvatska, Slovenien) 1918 und dem Entstehen unterschiedlicher Vorstellungen der Entwicklung des südslawischen Raumes wuchsen die Spannungen zwischen Serben und Kroaten. In Serbien, das zu den Siegermächten des 1. Weltkrieges gehörte, wurden für den neuen Staat zwei Möglichkeiten in Betracht gezogen. Entweder eine Lösung auf Basis des Jugoslavismus oder eine Erweiterung des serbischen Selbstverständnisses.

Die verschiedenen Auffassungen Belgrads und Zagrebs hatten natürlich auch Einfluss auf die nationale Orientierung der Bevölkerung der Krajina, doch gingen sie nicht soweit eine Unabhängigkeit in irgendeiner Art und Weise zu fordern. Erst in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg begann das Solidaritätsgefühl der Bewohner der Krajina zu schwinden. Nach dem Ende des jugoslawischen Staates 1941 und dem Beginn eines dunklen Kapitels der Geschichte Kroatiens, nämlich des “unabhängigen” Staates Kroatien von Hitlers Gnaden im Rahmen der europäischen Neuordnungspläne von Hitler, begann in Kroatien und Bosnien mit Hilfe der kollaborationsbereiten Ustascha-Gruppe die Verfolgung der Serben. Hunderttausende Serben, viele von ihnen aus der Krajina stammend, wurden Opfer der Ustascha (u. a. im KZ Jasenovac).

Diese Ereignisse veränderten die Gesellschaft der Krajina von Grund auf, von der gemeinsamen Vergangenheit blieb nur wenig übrig. Trotz dieser traurigen Tatsachen muss man betonen, dass die Serben Kroatiens auch in den Jahren der Verfolgung von 1941-44 ihre Zugehörigkeit zu einem nichtfaschistischen Staat Kroatien nicht ablehnten und für ein Kroatien innerhalb der jugoslawischen Gemeinschaft zu kämpfen bereit waren. Auch kämpften die meisten Serben Kroatiens im Widerstand gegen das faschistische Regime dann auch nicht für die serbischen Tschetniks, sondern für die kommunistischen Partisanen.

Nach dem 2. Weltkrieg und den von der KP geduldeten Racheaktionen in den Monaten nach dem Krieg entwickelten sich weite Teile Kroatiens, gefördert durch die Politik Titos, sehr stark. Allerdings blieb dabei die Entwicklung der Krajina auf der Strecke. Das von offizieller Seite bekundete gemeinsame Bild von Serben und Kroaten in der Krajina durch den “gemeinsamen, heroischen Volksbefreiungskrieg” erwies sich nach dem Tode Titos 1980 als trügerische Fehleinschätzung.
Die nationalistische Machtpolitik Zagrebs wie auch Belgrads führte in den 90er Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends zu Unruhen in der Krajina und in vielen weiteren Gebieten Ex-Jugoslawiens. Nach einem Referendum erklärte die Republik Kroatien im Juni 1991 ihre Souveränität und wurde von Deutschland durch den Außenminister Hans Dietrich Genscher als erstem Staat anerkannt. Franjo Tudjman, Mitglied der Kroatisch-Demokratischen-Union (HDZ) wurde erster Präsident Kroatiens.
Unter der Regierung seiner Partei kam es in Kroatien zu schweren Übergriffen gegen Serben und Muslimen. 1995 wurden die westlichen Gebiete der Krajina und 1997 Ost-Slawonien Kroatien eingegliedert.
Weite Teile der Kroatien sind bis heute verlassen und nicht wieder aufgebaut, in einigen Gebieten herrscht eine Arbeitslosigkeit von 90%. Fünf Jahre nach der Eingliederung Ost-Slawoniens und sieben Jahre nach der Eingliederung der Krajina gibt es fast keine aktuellen Berichte mehr von dieser Region.
Es ist immer wieder verwunderlich, wie von der Presse bzw. von den Medien neue Ethnien, Volksgruppen und Bezeichnungen erfunden werden auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien: »Serbische Kroaten« gibt es nicht! Es gibt Serben, Kroaten, Slowenen, Mazedonier, Albaner, auch Minderheiten wie Roma, Russen, Juden, Deutsche etc. als ethnische Gruppen, und natürlich in großer Zahl »Mischungen« daraus.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ich bin selber in Kroatien geboren als Sohn eines Serben aus Beograd und einer Serbin aus Krusevac, so war ich früher Jugoslawe = Südslawe. In Jugoslawien also hatte ich die jugoslawische Staatsangehörigkeit, jedoch die serbische Nationalität (nach dem Vater), obwohl in Kroatien geboren und lebend. Durch die damalige ethnische Säuberung durch die Kroatische Behörden (obwohl nicht im Kriegsdienst der serbischen Aufständischen) wurde mir die kroatische Staatsangehörigkeit verwährt. Das heißt das ich zur Zeit auch keine Staatsangehörigkeit habe, aber dadurch ändert sich natürlich nicht meine ethnische Zugehörigkeit!

Die »serbischen Kroaten«, die in den Medien genannt werden, sind Serben aus der Krajina oder Slawonien, die sich als unabhängig vom neu ausgerufenen kroatischen Staat erklärt hatten und die mit Hilfe der USA und des Westens im August 1995 im größten Flüchtlingstreck bei der Operation »oluja« = »Sturm« (siehe »Dessert Storm« im Golfkrieg!) von den Kroaten vertrieben wurden bzw. vor ihnen geflohen sind. Ebenso wie es keine »serbischen Kroaten« gibt, gibt es auch keine »kroatischen Serben«. Die gleiche Sprachverwirrung herrscht, wenn man plötzlich von »Kosovare« als Ethnie im Kosovo sprach/spricht. Im Kosovo lebten/leben Serben und Albaner wie auch Minderheiten wie Roma und Sinti etc.. Die Gleichsetzung »Kosovare« = »Albaner« soll intendieren, dies seien gleichsam die rechtmäßigen »Ureinwohner« des Kosovo. Serben und Roma und Sinti hat die NATO aus dem Kosovo (= Südserbien) hinausgebombt!

Mit dem gleichen Muster sprach man von den Bosniern und meinte/meint damit nur die muslimische Bevölkerung Bosniens, so als ob sie auch allein die rechtmäßigen »Ureinwohner« Bosniens seien. Eine Ethnie »Bosnier« oder »Moslems« gibt es nicht. Die muslimischen Bewohner Bosniens sind ebenso Südslawen, d.h. Serben oder Kroaten bzw. deren Mischungen. Sie haben auch keine eigene bosnische Sprache, von der auch immer die Rede ist.
Eine mazedonische Nation im Sinne einer Ethnie gibt es nicht. Auch die übertriebenen Einwohnerzahlen des albanischen Bevölkerungsteils Mazedoniens stimmen nicht. Die Albaner haben die Volkszählung boykottiert, d.h. es handelt sich um Schätzungen. Die Intention des Westens/der NATO ist auch in diesem Punkt allzu durchsichtig, allerdings nur für den geschichtlich Kundigen, und das sind offenbar die wenigsten!

Kriegsverbrechen unter US-Anleitung ?

Kroatische »Operation Blitz« gegen Serben in Krajina 1995 soll von USA voll kontrolliert worden sein

Bei dem Versuch, seinen Mandanten, den mutmaßlichen kroatischen Kriegsverbrecher Ante Gotovina, zu entlasten, hat Rechtsanwalt Luka Misetic die USA belastet. Gotovina, der im April 1995 die »Operation Blitz« zur Eroberung der serbisch besiedelten Krajina geleitet hatte, ist vom UN- Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt worden. Ihm wird die Ermordung von 150 Serben, das spurlose Verschwinden von vielen hundert anderen, die Mißhandlung von Zivilisten, Plünderung von Zivileigentum sowie die Vertreibung von 150 000 bis 200 000 Menschen zur Last gelegt. Der Aufenthaltsort des 45jährigen pensionierten Generals ist zur Zeit unbekannt. Chefanklägerin Carla del Ponto erwartet nun von der kroatischen Regierung, dass sie »sofort aktiv« werde, um Gotovina, der sich unter kroatischen Chauvinisten großer Popularität erfreut, festzunehmen und nach Den Haag zu überstellen.

Für seinen Anwalt ist Gotovina der »wahre Friedensstifter«, da die Operation Blitz zur Beendigung des Krieges in Kroatien geführt habe. Sie sei ein gemeinsames militärisches Unternehmen Kroatiens und der USA gewesen. Die USA hätten den »Befreiungsakt voll kontrolliert« und müssten daher neben Gotovina auf der Anklagebank sitzen, sagte Misetic.

Die Operation Blitz war die blitzartigste und umfassendste ethnische Säuberung im postjugoslawischen Bürgerkrieg. Sie führte zur erzwungenen Flucht fast der gesamten serbischen Bevölkerung, die seit dem Mittelalter in dem küstennahen Gebiet angesiedelt war. Nachdem Kroatien 1991 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, pochten die kroatischen Serben, die über Nacht von einer konstitutiven Nation Kroatiens zu einer Minderheit herabgestuft worden waren, auf ihr Recht auf Selbstbestimmung, das heißt auf Austritt aus Kroatien. Der Bürgerkrieg entschied sich in der Operation Blitz zugunsten Kroatiens. Präsident Tudjman ging es nicht nur um die Einverleibung serbisch besiedelter Gebiete, sondern auch um die »ethnische Homogenisierung« Kroatiens, das heißt um die weitgehende Eliminierung des serbischen Elements, das bis dahin Teil der nationalen Identität Kroatiens gewesen war. Neben dem Ex- Fremdenlegionär Gotovina wurde auch Rahman Ademi, ein albanischstämmiger General und enger Tudjman-Vertrauter, angeklagt. Er hat sich inzwischen freiwillig gestellt. Die Frage nach der politischen Verantwortung für die kriegsverbrecherische Operation Blitz ist indessen nie gestellt worden. Wohl auch deshalb, weil sie nicht nur Zagreb in ein äußerst ungünstiges Licht rücken würde.
Werner Pirker

Bei dem Versuch, seinen Mandanten, den mutmaßlichen kroatischen Kriegsverbrecher Ante Gotovina, zu entlasten, hat Rechtsanwalt Luka Misetic die USA belastet. Gotovina, der im April 1995 die »Operation Blitz« zur Eroberung der serbisch besiedelten Krajina geleitet hatte, ist vom UN- Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt worden. Ihm wird die Ermordung von 150 Serben, das spurlose Verschwinden von vielen hundert anderen, die Mißhandlung von Zivilisten, Plünderung von Zivileigentum sowie die Vertreibung von 150 000 bis 200 000 Menschen zur Last gelegt. Der Aufenthaltsort des 45jährigen pensionierten Generals ist zur Zeit unbekannt. Chefanklägerin Carla del Ponto erwartet nun von der kroatischen Regierung, dass sie »sofort aktiv« werde, um Gotovina, der sich unter kroatischen Chauvinisten großer Popularität erfreut, festzunehmen und nach Den Haag zu überstellen.

Für seinen Anwalt ist Gotovina der »wahre Friedensstifter«, da die Operation Blitz zur Beendigung des Krieges in Kroatien geführt habe. Sie sei ein gemeinsames militärisches Unternehmen Kroatiens und der USA gewesen. Die USA hätten den »Befreiungsakt voll kontrolliert« und müssten daher neben Gotovina auf der Anklagebank sitzen, sagte Misetic.

Die Operation Blitz war die blitzartigste und umfassendste ethnische Säuberung im postjugoslawischen Bürgerkrieg. Sie führte zur erzwungenen Flucht fast der gesamten serbischen Bevölkerung, die seit dem Mittelalter in dem küstennahen Gebiet angesiedelt war. Nachdem Kroatien 1991 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, pochten die kroatischen Serben, die über Nacht von einer konstitutiven Nation Kroatiens zu einer Minderheit herabgestuft worden waren, auf ihr Recht auf Selbstbestimmung, das heißt auf Austritt aus Kroatien. Der Bürgerkrieg entschied sich in der Operation Blitz zugunsten Kroatiens. Präsident Tudjman ging es nicht nur um die Einverleibung serbisch besiedelter Gebiete, sondern auch um die »ethnische Homogenisierung« Kroatiens, das heißt um die weitgehende Eliminierung des serbischen Elements, das bis dahin Teil der nationalen Identität Kroatiens gewesen war. Neben dem Ex- Fremdenlegionär Gotovina wurde auch Rahman Ademi, ein albanischstämmiger General und enger Tudjman-Vertrauter, angeklagt. Er hat sich inzwischen freiwillig gestellt. Die Frage nach der politischen Verantwortung für die kriegsverbrecherische Operation Blitz ist indessen nie gestellt worden. Wohl auch deshalb, weil sie nicht nur Zagreb in ein äußerst ungünstiges Licht rücken würde.
Werner Pirker

Kinkel, der BND und Manolic

Seit Ende der 70er Jahre arbeiteten bundesdeutscher und kroatischer Geheimdienst zusammen

In der Nachkriegsära war Jugoslawiens Geheimdienst UDBA bzw. SDB strikt zentralistisch und serbisch orientiert. Ab 1966 kam es zu einer Föderalisierung dieses Geheimdienstes. Der kroatische Einfluss war bald ähnlich groß wie der serbische. Führender kroatischer Geheimdienstmann war bis Anfang der achtziger Jahre Ivan Krajacic. Dessen Zögling und ab den achtziger Jahren sein Nachfolger war Josip Manolic. Beide orientierten im Geheimen auf ein unabhängiges Kroatien. Das war auch die BND-Linie, insbesondere nachdem Klaus Kinkel 1979 Chef dieses Geheimdienstes in Pullach wurde. Erich Schmidt-Eenboom schrieb in seinem Buch: »Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND« über die Zeit ab Ende der siebziger Jahre: »Von diesem Zeitpunkt an, unmittelbar vor dem Tod Titos 1980, wurden in Zagreb (beim kroatischen Geheimdienst) alle Entscheidungen in strategischen und personellen Fragen nur noch in Absprache des Zentrums von Krajacic mit BND-Instanzen und Ustascha- Repräsentanten getroffen.« Die Bonner Regierung erklärte sich teilweise bereit für eine kroatische Sezession; so sprach sich Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1982 offen für ein »unabhängiges Kroatien« aus.

Nach der »Wende« 1989/90 wurde dieser Prozess vor allem von deutscher Seite vorangetrieben: Anerkennung Kroatiens 1990 durch Bonn; massive Waffenlieferungen, auch gegen ein gültiges UN-Embargo. Nun rückten in die neue Regierung in Zagreb Männer, zu denen der BND seit zwei Jahrzehnten die Kontakte aufgebaut hatte, u.a. Tudjman und Manolic. Die Bundesregierung betrieb eine aggressive Balkanpolitik – in den Fußstapfen deutscher Diplomatie aus den Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkriegs (prokroatisch, antiserbisch; den Konflikt im Kosovo ausnutzend).

1993 erfolgte ein neuer Bruch, der die aktuelle Aussage von Manolic teilweise erklärt: Manolic wurde als kroatischer Geheimdienstchef auf Betreiben des BND und der Bonner Regierung von Miroslav Tudjman, dem Sohn von Franjo Tudjman, abgelöst. Auch andere ehemalige »Nationalkommunisten« fielen nun in Ungnade. Dazu zitiert Schmidt-Eenboom den ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstmann Anton Duhacek: »Der BND hat sich dem kroatischen Geheimdienst gegenüber benommen, als wäre dieser ein Sektor des BND… Die Deutschen führen eine endgültige Ausschaltung ehemaliger Partisanen-Kader durch, außer Tudjman. Für ihn haben sie zur Zeit noch keine Alternative… Der BND hat zu den alten Nationalkommunisten kein Vertrauen, weil sie ja vier Jahre lang gegen die Deutschen gekämpft haben – und das vergisst keiner.« Inzwischen ist Tudjman tot. Sein Nachfolger Stipe Mesic zählt zum Kreis jener »Nationalkommunisten«, die seit den achtziger Jahren unter anderem mit Manolic eng zusammenarbeiteten.

Winfried Wolf

Kinkels ehemaliger Mann

1991er Massaker an Serben »mit Hilfe von Nazikräften« durchgeführt. Von Winfried Wolf

Neun Jahre nach einem der ersten Massaker auf dem Balkan seit der Zerschlagung Jugoslawiens kommt es zu dramatischen Enthüllungen. Ein Mann, der es wissen muss, sagte am Freitag vergangener Woche vor einem kroatischen Gericht u.a. das folgende aus: In Gospic, Kroatien, wurden 1991 bis zu 180 Serbinnen und Serben entführt und bestialisch ermordet. Das Massaker sei nicht »spontan« oder von Kräften erfolgt, die außer Kontrolle geraten waren. Es sei geplant durchgeführt worden: Zu diesem Zweck habe es am 16. Oktober 1991 ein »Todestreffen« gegeben, um die Liquidierung aller Serben in diesem Ort zu vereinbaren. Die Aktion sei in Zusammenarbeit erfolgt mit »Nazikräften«, die in »Verbindung mit ausländischen Geheimdiensten« standen und die in der damaligen kroatischen Führung unter Franjo Tudjman vertreten gewesen seien. Untersuchungen über das Verschwinden der Serben von Gospic seien von der Tudjman- Regierung systematisch behindert worden.

Diese Aussagen im Zeugenstand des Kriegsverbrecherprozesses in Rijeka, Kroatien, machte Josip Manolic. Manolic war nach 1990 kurze Zeit kroatischer Regierungschef, dann bis März 1993 der Geheimdienstchef dieses Landes. Seinen Aussagen kommt daher großes Gewicht zu. Vor allem können sie dazu beitragen, den Zerstörungsprozeß der Bundesrepublik Jugoslawien, der 1990 einsetzte, genauer zu verstehen. Offensichtlich wurden die nationalistischen Ausbrüche, die auf serbischer Seite unter Milosevic und auf kroatischer Seite unter Tudjman stattfanden, von unterschiedlichen Kräften erheblich beeinflusst. Und am Beginn dieses Zerfallsprozesses und der verschiedenen Kriege standen Massaker, mit denen die Kriege und ihre Brutalitäten – und insbesondere auch die ausländischen Interventionen – gerechtfertigt wurden. Während das angebliche Massaker von Racak 1999 mit 45 Getöteten, das zur Rechtfertigung des NATO-Angriffskriegs auf Jugoslawien diente, bis heute als nicht aufgeklärt zu gelten hat, ist das Massaker von Gospic mit bis zu 180 Ermordeten seit langem als kroatische Aktion gegen Serben dokumentiert. Deutlich ist, dass dieses neun Jahre alte Massaker ganz am Beginn der Spirale der Gewalt stand und damit eine Schlüsselrolle für die Eskalation und für die spätere Intervention der NATO-Staaten auf dem Balkan spielte. Bleibt die Frage: Auf welche »ausländischen Geheimdienste« spielte der ehemalige kroatische Geheimdienstchef an, denen er eine Mitverantwortung an dem Massaker in Gospic zuschreieb? Bekannt ist, dass die Bonner Regierung Kroatien als erste Regierung und gegen US- und EU-Widerstand 1990 anerkannte. Unbestritten ist auch, dass die Mehrzahl der an Kroatien gelieferten Rüstungsgüter ab 1990 deutschen Ursprungs ist; darunter befand sich viel NVA- Material. Interessant ist hier jedoch auch die Vergangenheit des Josip Manolic: Vor 1990 war dieser kroatischer »Nationalkommunist« und jahrzehntelang ein maßgeblicher Geheimdienstmann im kroatischen Zweig des föderativ organisierten jugoslawischen Geheimdienstes. In dieser Position – und in enger Zusammenarbeit mit anderen kroatischen Nationalisten wie Tudjman – betrieb Manolic spätestens seit Anfang der achtziger Jahre eine Politik, die auf ein »unabhängiges Kroatien« abzielte. Er unterhielt damals geheime Kontakte zum Bundesnachrichtendienst (BND) unter Klaus Kinkel, wie der Publizist Erich Schmidt-Eenboom in seinem Buch »Der Schattenkrieger« belegte. Kinkel und der BND verfolgten vor allem seit dem Tod Titos 1980 eine Politik der Destabilisierung Jugoslawiens. Kernstück dieser Politik war ein »unabhängiges Kroatien«, wozu Bündnisse mit »Nationalkommunisten« ebenso wie mit faschistisch- kroatischen Ustascha-Kräften eingegangen wurden.

Jürgen Elsässer Interview mit ehemaligen Jugoslawischen Geheimdienstler Antun Duhacek
BND auf dem Balkan – Wer trägt Schuld an Zerstörung Jugoslawiens?

F: In Den Haag sitzt Milosevic auf der Anklagebank, aber eigentlich sind doch Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher, damals Kanzler und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, die Hauptschuldigen an der Zerstörung Jugoslawiens.
Deutschland versuchte das schon seit langem, spätestens Ende der achtziger Jahre ging es in die entscheidende Phase. Dabei wurde die Bonner Regierung von Österreich, Italien und dem Vatikan unterstützt. Der Bundesnachrichtendienst (BND) koordinierte die Unterstützung für die Teilrepubliken Kroatien und Slowenien, die sich von Jugoslawien trennen wollten.

F: Welche geheimdienstlichen Erkenntnisse haben Sie darüber?

Der BND übernahm Ende der 80er Jahre die direkte operative Führung des kroatischen Auslandsgeheimdienstes – der war de jure noch Teil des gesamtjugoslawischen Dienstes UDBA, der de facto schon seit den frühen siebziger Jahren praktisch ohne Belgrader Kontrolle. Bei einem persönlichen Treffen zwischen dem Bundesaußenminister und dem kroatischen Geheimdienstchef Josip Manolic im Februar 1990, im Vorfeld der Wahlen im – damals noch zu Jugoslawien gehörenden – Kroatien, hat Genscher 800 Millionen Mark versprochen. Manolic wollte das Geld gleich in bar mitnehmen, der spätere Präsident Franjo Tudjman und sein damaliger Mitstreiter (und heutige Präsident) Stipe Mesic warteten dringend darauf. Schließlich floss das Geld erst kurz nach den Wahlen im März 1990. Leute des BND übergaben die 800 Millionen Mark in Zagreb, Cash.

F: Das muss ein ziemlich schwerer Koffer gewesen sein.

Die Deutschen haben ja auch eine Gegenleistung dafür bekommen. Manolic hatte im Februar 1990 mit dem BND ein sehr weit reichendes Geheimabkommen geschlossen. Es umfasste im wesentlichen drei Punkte. Erstens: Zusammenarbeit des von ihm kontrollierten kroatischen Dienstes mit dem BND im Vorgehen gegen Jugoslawien und Serbien. Zweitens: Der BND stellt seinen kroatischen Partnern alle Aufklärungsergebnisse zur Verfügung, die er und befreundete NATO-Dienste in und über Jugoslawien sammeln, zum Beispiel über die Situation in der jugoslawischen Armee, ihre Truppenbewegungen und so weiter. Das sollte bei den bald beginnenden militärischen Auseinandersetzungen ein großer Vorteil für Zagreb werden. Drittens: Manolic unterstellt einen Teil seiner Informanten und informellen Mitarbeiter, zum Beispiel in Belgrad, direkt dem BND.

F: Erich Schmidt-Eenboom nimmt in »Der Schattenkrieger«, seinem Buch über die BND-Aktivitäten von Klaus Kinkel, an vielen Stellen auf Sie Bezug. Bei ihm heißt es aber, dass schon »unmittelbar vor dem Tode Titos« in Zagreb »alle Entscheidungen in strategischen Fragen nur noch in Absprache … mit BND-Instanzen und Ustascha-Repräsentanten getroffen werden«. Das war zu Beginn der 80er Jahre.

Das waren enge Kontakte, aber sie mussten noch verdeckt abgewickelt werden. Die heiße Phase begann erst Ende der achtziger Jahre, als aus dem Apparat, den Manolic und sein Ziehvater Ivan Krajacic im Verborgenen aufgebaut hatten, der offizielle Geheimdienst des neuen kroatischen Staates wurde. Ab ungefähr Mai 1990 funktionierte dieser Geheimdienst wie ein Anhängsel des BND. Die deutsche Seite verlangte für ihre Leistungen die totale Unterordnung des kroatischen Dienstes, und die hat sie auch bekommen.

Zum Beispiel forderte der BND 1993/94 eine Säuberung des kroatischen Dienstes. Alle, die aus einer Partisanentradition stammten, mussten gehen. Dazu muss man wissen, dass das gesamte Tudjman-Projekt, der neue kroatische Staat und alle seine Institutionen, zunächst einen Kompromiss Charakter trug. Der kroatische Nationalismus und die Feindschaft gegen Jugoslawien waren der gemeinsame Nenner; auf dieser Plattform trafen sich die Kräfte, die sich während des Zweiten Weltkrieges noch bekämpft hatten, nämlich Nationalkommunisten und Ustascha-Faschisten. Nun verlangte der BND, dass erstere hinausgesäubert werden. Deswegen wurde Josip Manolic in den Geheimdienststrukturen entmachtet, und Stipe Mesic verließ mit ihm und einigen anderen frustriert die Tudjman-Partei HDZ und gründete eine eigene.

F: Das hat der BND verlangt?

Tudjman hat es sogar zugegeben. 1994 schrieb er über seinen Bruch mit Manolic: »Als es zu einer solchen Situation mit Herrn Manolic kam, das muss ich dazu noch sagen – 1992, als wir formell anerkannt waren, aber noch keine wirklichen Freunde hatten – kamen die Vertreter einer der Hauptmächte der Welt zu mir und sagten: ›Herr Präsident, Sie sind sich wahrscheinlich bewusst, dass Sie eine neue Verteidigungs- und Sicherheitsstruktur aufbauen müssen. Wir sind bereit, Ihnen dabei zu helfen, aber bitte ohne Joza Manolic.‹«

F: Aber was sollte der BND gegen Manolic haben? Er war doch derjenige, der den Deutschen 1990 den kroatischen Dienst ausgeliefert hatte.

Der BND misstraute denen, die aus der Partisanentradition kamen. Diese hatten schließlich vier Jahre lang gegen die Deutschen gekämpft. Sie erschienen ihm nicht sicher, jedenfalls nicht auf lange Sicht. Nehmen Sie etwa Manolic. Er ist Träger des Partisanenordens »Kämpfer des ersten Tages«.

F: Aber aus dem Zitat Tudjmans geht nicht klar hervor, wer die Ablösung von Manolic verlangt hat. Er sagte nur »Vertreter einer der Hauptmächte der Welt«. Könnten das nicht auch die US-Amerikaner gewesen sein?

Nein, die US-Amerikaner hatten keinerlei Einfluss. Die Deutschen waren absolut dominant. Und als 1995 US-Militärberater die kroatische Offensive zur Eroberung der Krajina (und der Vertreibung ihrer serbischen Bevölkerung) dirigierten, taten sie das auf Wunsch der Deutschen. Kohl und Genscher wollten sich nicht die Finger schmutzig machen, ein deutscher Militäreinsatz wäre damals innenpolitisch nicht populär gewesen. Aber die Deutschen haben die Waffen geliefert, vor allem Restbestände aus den ehemals sozialistischen Ländern Polen, Tschechoslowakei und DDR.

F: Mittlerweile ist die Tudjman-Partei HDZ in Kroatien abgewählt, im Jahre 2000 wurde Mesic zum Präsidenten gewählt. Haben die Deutschen also ihren Einfluss verloren? Mesic müsste, nach allem, was Sie geschildert haben, ziemlich sauer auf den BND sein.

Man hat sich arrangiert. Mesic kann nicht ohne die Deutschen, und die Deutschen können nicht ohne ihn, zur Zeit jedenfalls. Tudjman ist tot, seine rechte Hand Gojko Susak, der erste Verteidigungsminister, ist ebenfalls tot. Und dass Mesic sich jetzt bemüht, einige der 300 000 vertriebenen Serben nach Kroatien zurückzuholen, ist auch für Deutschland als Hauptwirtschaftspartner sinnvoll: Gebiete wie die Krajina und Slawonien sind seit der ethnischen Säuberung durch die kroatischen Nationalisten wie entvölkert. So liegt ein Drittel des Landes wirtschaftlich brach.

F: Mit Ihrem Wissen wären Sie ein wichtiger Zeuge im Haager Prozess gegen Milosevic.

Wenn ich geladen werde, werde ich gehen – obwohl ich deswegen bereits Morddrohungen erhalten habe.

* Demonstration in Den Haag: am Plein (in der Nähe des Parlaments)

Linguistische Säuberungen

Nationalistische Sprachpolitik in den Staaten des ehemaligen Jugoslawien

Der Zerfall Jugoslawiens und die Kämpfe um einheitliche nationale Gebiete haben nicht nur ethnische Säuberungen nach sich gezogen, sondern sind auch mit groß angelegten Sprachsäuberungen verbunden. So wird in Kroatien seit 1990 in Politik und Medien massiv die Kroatisierung der Schriftsprache forciert. Distanz zum Serbischen und ein starker Sprachpurismus kennzeichnen die Sprachpolitik des neuen Staates, der sich dabei zum Teil auf Traditionen des Ustascha-Regimes bezieht. Um die kroatische Sprache vor fremden Einflüssen zu schützen, fordern kroatische Sprachwissenschaftler wie Ivica Kramaric drakonische Strafen für Autoren, die pro Druckbogen mehr als fünf serbische Wörter verwenden; sie wollen, dass jegliche Verwandtschaft der kroatischen mit der serbischen Sprache geleugnet und die Verbreitung serbischer Bücher und Zeitungen in Kroatien verhindert wird. Eine derart radikale Sprachpolitik stößt allerdings auch auf Widerstand. Denn sie negiert eine 150 Jahre währende gemeinsame Sprachentwicklung, die der Slawist Milos Okuka in seinem Buch »Eine Sprache – viele Erben. Sprachpolitik als Nationalisierungsinstrument in Ex-Jugoslawien« beschreibt. Im Vielvölkerstaat Jugoslawien war das Sprachenproblem eine ständig präsente Streitfrage. Die Herausbildung einer gemeinsamen serbokroatischen (oder kroatoserbischen) Schriftsprache im 19. Jahrhundert hatte ebenso politische Ursachen wie die heutigen Bemühungen, die sprachlichen Unterschiede zu vertiefen, die bisher als Varianten einer Standardsprache galten. Okuka untersucht die Sprachpolitik im früheren Jugoslawien, beginnend mit dem Sprachabkommen von Wien im Jahre 1850. Damals beschlossen führende serbische und kroatische Intellektuelle und Schriftsteller, eine gemeinsame Sprache und Literatur gemeinsam zu pflegen. Diese Sprache blieb zunächst ohne Namen, es wurde nur von »unserer Sprache« gesprochen. Erst 100 Jahre später, im Sprachabkommen von Novi Sad (1954), wurde sie als Serbokroatisch bzw. Kroatoserbisch und als eine einheitliche Sprache mit zwei Aussprachen, ijekawisch und ekawisch, bezeichnet. Beide Schriften, Latiniza und Kyrilliza, wurden als gleichberechtigt anerkannt.

Gegenbewegungen gegen diese Standardsprache gab es schon früh. Okuka, der selbst aus Bosnien-Herzegowina kommt (er war früher Professor der serbokroatischen Sprache in Sarajewo und lehrt heute an der Universität München), zeigt anhand von Grammatiken und Wörterbüchern, linguistischen Debatten und politischen Erlassen den Wechsel von Sprachunitarismus und trennenden Tendenzen.

Um die historischen, politischen und philologischen Verflechtungen zu verstehen, braucht man weder serbokroatische Sprachkenntnisse noch besonderes Vorwissen, als Laie aber vielleicht ein wenig Geduld, um den sorgfältigen sprachwissenschaftlichen Untersuchungen zu folgen. Im titoistischen Jugoslawien wurde die Vereinheitlichung der Sprache zunächst unterstützt. Doch bereits 1965 konnten sich serbische und kroatische Linguisten nicht mehr auf ein gemeinsames Wörterbuch einigen. Der »Kroatische Frühling« war mit einer Loslösung des Kroatischen von der Standardsprache verbunden. Doch obwohl der neue kroatische Nationalismus massiv unterdrückt und die bereits gedruckte »Kroatische Rechtschreibung« eingestampft wurde, blieben die sprachlichen Abgrenzungen wirksam. Mit der zunehmenden Föderalisierung des Landes in den siebziger Jahren ging auch die Föderalisierung der Sprache einher: 1975 wurde im Parlament Jugoslawiens eine Kommission gebildet, die aus sieben Sektionen für sieben Sprachen bestand, von Serbokroatisch über Kroatisch bis zu Albanisch und Ungarisch.
Nach dem Zerfall Jugoslawiens waren es zuerst die Kroaten, die die sprachlichen Differenzen vergrößerten, um sich in nationaler Hinsicht zu konsolidieren und abzugrenzen. Schon bald wurde eine neue Rechtschreibregelung eingeführt, und es erschienen Unterscheidungswörterbücher und Sprachratgeber, die die Reinigung der Sprache vor allem von Serbizismen voranbringen sollten. Kurz darauf negierten auch die Serben offiziell die gemeinsame Sprache. Gleichzeitig erklärten sich die bosnischen Muslime zu Bosniern, nannten ihre Sprache Bosnisch und riefen sie als dritte südslawische Sprache und Nachfolgerin des Serbokroatischen aus. Die Montenegriner sind zwar offiziell im serbischen Sprachverband geblieben, ein Teil ihrer Intellektuellen kämpft aber für eine getrennte vierte Sprache.

Mit dem Auseinanderdriften der Völker wurde auch die Sprache des Feindes zu einem Gegenstand des Hasses und zu einem Mittel von Aggressionen. Das zeigt sich besonders in der Politik mit Namen. So wurden z.B. in fast allen Städten Bosniens und Kroatiens Stadtviertel, Plätze und Straßen umbenannt; auf serbischem Territorium wurde das Adjektiv »bosnisch« aus allen Städtenamen entfernt; auf den kroatischen Einwohnermeldeämtern mehrten sich diejenigen, die ihren Namen ändern lassen wollten. Solcherart sprachliche Gewalt dient bis heute der ethnischen Homogenisierung und zerstört kulturelle und sprachliche Traditionen.

Okuka kritisiert die neuere Sprachpolitik und bedauert, dass es für das Serbokroatische als Standardsprache keine soziolinguistische Unterstützung mehr gibt. Trotzdem zeigt er ein gewisses Verständnis für das Verschwinden der einen Schrift- bzw. Standardsprache. »Die Völker sind frei in der Benennung der von ihnen gebrauchten Sprache oder sollten es doch wenigstens sein«, zitiert er den Slawisten Werner Lehfeldt.

Die Unterschiede zwischen den drei neuen Standardsprachen sind allerdings minimal. Sie werden vorwiegend in der Schrift (Kyrilliza und Latiniza) und im neu geschaffenen, politisch forcierten Wortschatz sichtbar und sind keineswegs durch die innere Sprachgeschichte bedingt. »Es handelt sich dabei um einen rein politischen Akt und um den Willen der jeweiligen Völker, ihre Sprache mit dem Namen zu benennen, für den sie sich in einem Plebiszit ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Unterschiede zu den anderen Sprachen entschieden haben.«

* Milos Okuka: Eine Sprache – viele Erben. Sprachpolitik als Nationalisierungsinstrument in Ex-Jugoslawien. Wieser Verlag, Klagenfurt 1999, 163 Seiten, 19.- €

Partisanen raus – Kroatien säubert die Geschichte

Oppositionszeitung veröffentlicht Anti-Tudjman-Dossier

In Kroatien ist das Umschreiben von Geschichte seit langem quasi Regierungsauftrag. Das Oppositionsblatt »Feral Tribune« veröffentlichte nun ein Dossier über »Die schwarze Chronik einer Neufassung der Geschichte: Wie das Ustaschentum rehabilitiert und der Antifaschismus stigmatisiert wurde«.
Am Beginn des seit sieben Jahren andauernden Revisionismus stand die Umbenennung von Straßen, Plätzen und Schulen: In vielen kroatischen Städten werden mittlerweile Straßen etwa nach Mile Budak, dem Stellvertreter des Ustascha-Führers Ante Pavelic, benannt.

»Mit der Umbenennung des Zagreber Platzes der Opfer des Faschismus im Sommer 1990, nur einige Monate nach dem Sieg der HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) bei den ersten Mehrparteienwahlen, wurde das Startzeichen gegeben für das Auslöschen der Spuren des Antifaschismus in Straßennamen und Namen von Plätzen«, so »Feral Tribune«. Nach Lesart von Präsident Franjo Tudjman hat es in dem 1941 geschaffenen »Unabhängigen Staat Kroatien« (NDH), wie sich das Gebilde von Hitlers Gnaden euphemistisch nannte, keine faschistischen Parteien und keinen Faschismus gegeben, infolgedessen konnte es dort auch keine Opfer des Faschismus und logischerweise auch keinen Antifaschismus geben. Auf dem Parteikongreß der HDZ gebar Historiker Tudjman im Februar 1990 gar die Zauberformel: »Der NDH war nicht lediglich ein reines “Quisling-Gebilde” und “faschistisches Verbrechen”, sondern vielmehr Ausdruck des historischen Strebens des kroatischen Volkes nach einem unabhängigen Staat.« Damit war ein weiter Raum für jene Interpretationen der kroatischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges eröffnet, mit denen man den Ustascha-Staat rehabilitieren, seine Verbrechen rechtfertigen oder beschönigen und den Antifaschismus als antikroatisch diskreditieren wollte.

»Wie ist es möglich«, fragt »Feral Tribune«, »dass das moderne Kroatien so bereitwillig und trotz aller Warnungen, Proteste und Vorwürfe nach den exklusiven Symbolen des NDH greift, eines Staates, der ein treuer Verbündeter, Anhänger und Realisator der rassistischen und völkermörderischen Ideologie und Politik des nazistischen Deutschland gewesen ist? Wie ist es möglich, daß es in der zeitgenössischen politischen Szene einzig in Kroatien eine registrierte politische Partei (HOP) gibt, deren Gründer einer der staatlichen Führer von Hitlers neuem Europa war? Wie ist es möglich, dass die Person, die als Vertreter des NDH rassistische Anordnungen unterzeichnete, nicht nur mit einem hohen Orden der Republik Kroatien geehrt wurde, sondern auch fast noch ihr Botschafter geworden wäre? Und wie ist es möglich, dass Jahr für Jahr unter Mitwirkung hoher staatlicher Funktionäre und mit Live-Übertragungen im Fernsehen nur die gefallenen Soldaten jener Armee geehrt werden, die während des gesamten Zweiten Weltkriegs auf der Seite der faschistischen Achsenmächte gekämpft haben, während gleichzeitig Tausende Gedenkstätten für die gefallenen Angehörigen der antifaschistischen Partisanenarmee vandalisch zerstört werden?«

Die »Erinnerungen und Beobachtungen: 1925 – 1945« von Eugen Dido Kvaternik, Gründer von Konzentrationslagern im faschistischen Ustascha-Staat, wurden nun mit finanzieller Unterstützung des kroatischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie publiziert. »Feral Tribune« schreibt in seiner Rezension: »Kvaternik befaßt sich ausschließlich mit hoher Politik, wobei er sich nicht an die Tatsache erinnert, dass er persönlich einige tausend Serben, Kroaten, Juden und Roma ins Konzentrationslager schickte. Er tut so, als ob er gar nichts wusste von irgendwelchen Lagern in Jasenovac, Gradiska und anderen idyllischen Orten, so dass dies möglicherweise der Grund ist, warum die kroatische Regierung dieses publizistische Unternehmen finanzierte. Die staatliche Politik besteht ja gerade darin, diese Orte so wirksam wie möglich aus dem Kollektivbewußtsein zu drängen.«

Der Ustascha-Bevollmächtigte für Dubrovnik, Ivo Rojnica, sah sich nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund seiner faschistischen Verstrickungen zur Emigration gezwungen. In dem nun vorliegenden, 800 Seiten umfassenden Schinken »Begegnungen und Erlebnisse« beschreibt er seine Aktivitäten bei der Aussiedlung und bei den Zwangstaufen von Serben, vor allem im Gebiet der Ost-Herzegowina und Dubrovniks. – »Wegen seines Einsatzes für die kroatische Sache wurde Rojnica bekanntlich von Präsident Tudjman ausgezeichnet«, bleibt »Feral Tribune« nur zynisch anzumerken.

Mit der Leugnung der faschistischen Vergangenheit Kroatiens wird gleichzeitig auch die deutsche Geschichte umgeschrieben und Deutschland selbst entlastet. Der von der BRD hofierte Franjo Tudjman vertritt denn auch in seinem Buch »Irrwege der Geschichte: Eine Auseinandersetzung über die Geschichte und Philosophie der Gewalt« die Meinung, die Menschen hätten sich seit jeher gegenseitig abgeschlachtet und ermordet, was zwar traurig, aber nichts Besonderes sei. Hitlers Wüten während des Zweiten Weltkrieges sei zwar nichts, was man loben könne, es stelle jedoch in der Geschichte nichts Außergewöhnliches dar.

Rüdiger Göbel