Einführung

Landminen unterteilen sich in zwei große Gruppen:
Minen gegen lebende Ziele – AP Minen, Anti Personen Minen.
Zweite Gruppe sind die AT Minen, Anti Tank Minen, gegen gepanzerte Technik, die aber auch gegen Fahrzeuge allgemeiner Art eingesetzt werden können.

Erste rudimentäre Einsätze von Landminen erfolgten während des amerikanischen Bürgerkriegs 1861 und im Krimkrieg 1873. Auf der Krim wurden z.B. Artilleriegranaten mit simplen Kopfaufschlagzündern zünderaufwärts vergraben, so dass sie bei Betreten detonierten. Im weiteren Verlauf wurden schon relativ weiterentwickelte AP-Minen konstruiert, die im wesentlichen bereits die späteren Hauptgruppen der Landminen repräsentierten.
Im ersten Weltkrieg erfolgte mit dem Auftauchen von Panzern auf dem Gefechtsfeld der erste Einsatz von einfachen geballten Ladungen gegen Panzer. Diese ersten AT-Minen waren noch sehr simple Konstruktionen, die später verfeinert wurden.
Im zweiten Weltkrieg erfolgte dann der massive Einsatz von AP/AT-Minen auf allen Seiten.
Die Verlegerate soll im dreistelligen Millionenbereich gelegen haben.
Nach den militärischen Auseinandersetzungen des II.WK erlangte die Landmine sehr große Bedeutung in den Konflikten des kalten Krieges, insbesondere in den Stellvertreterkriegen in Afrika in den sechziger Jahren und vielen begrenzten Konflikten aller Art von Südostasien bis Afghanistan.
Die Landmine im militärischen Sinne ist eine reine Defensivwaffe, die die Bewegungen des jeweiligen Gegners lähmen, stoppen bzw. kanalisieren soll, während eigene Einheiten geschützt und Unterlegenheiten ausgeglichen werden können. Daher werden militärische Minenfelder auch meist zusätzlich mit Artillerie, MG-Nestern o.ä. gesichert. Darüber hinaus werden diese Felder zur freundwärtigen Seite hin gesperrt und markiert, oder wenn taktisch erwünscht, auch zur feindwärtigen Seite. Militärische Minenfelder werden vermessen und kartographisiert, die entsprechenden Dokumente sollen dann aufbewahrt werden. Sollen! Im gesamten Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens wurden wilde Minenfelder durch die Paramilitärs verlegt. Es war aber auch so dass die Pläne die den UN Truppen ausgehändigt wurden, gefälscht waren weil die jeweilige Seite aus taktischen Gründen der UN misstraute. Hinzu kommen die Blindgänger der Streubomben die durch die US Militärs über Serbien und Kosovo völkerrechtswidrig abgeworfen wurden. So eine Bombe enthält etwa 250 kleine Sprengladungen die sich in der Luft verteilen. Erfahrungsgemäß zünden etwa zehn bis fünfzehn Sprengkörper dabei nicht. Hochgerechnet gibt es also tausende davon.

Das Problem besteht darin, dass nach dem Ende des Krieges die Minen bleiben, während das Militär abzieht.
Eine qualitativ hochwertige Räumung scheidet damit von vornherein aus.
Minen erlangten immer größere Bedeutung in begrenzten Konflikten, weil sie leicht zu beschaffen, billig und simpel sind. Jeder kann sie industriell bzw. improvisiert herstellen und verlegen und sie sind immer aktiv. Wir kauften die Minen aus der EU Produktion für manchmal EIN US$, im Schnitt für etwa drei Dollar. Die Entminung kostet hingegen zweihundert bis dreihundert Dollar.
Zunehmend wurden Minen durch Guerillas und Militär irregulär verlegt, teilweise einzeln oder in kleinen Gruppen zur Terrorisierung von regulären Truppen, einheimischer Bevölkerung, Rebellen usw., auch zur Kanalisierung von Migrationsströmen bzw. zur Trennung von Rebellen und Bevölkerung. So vielschichtig die Ziele auch waren oder sind, Hauptleidtragende sind immer die Zivilisten, oft Kinder. Da Sie sich in den betroffenen Gebieten naturgemäß aufhalten, während ihre Fachkenntnisse zur Minenerkennung und Minenräumung nur einen sehr beschränkten Umfang haben.

Landminen sind Explosivkörper, die von Menschen oder Fahrzeugen ausgelöst werden können. Sie werden entweder knapp unter, oder – durch Ausnutzung von Vegetation, etwa hohes Gras, auf der Erdoberfläche verlegt.
Der signifikante Unterschied zu aller anderen Munition besteht darin, dass diese in irgendeiner Form zum Ziel bewegt werden muss, um zu wirken. Minen dagegen bleiben am Verlegeort und werden durch das Ziel selbst ausgelöst.

Im wesentlichen bestehen die Minen aus einer Hülle (Metall, Kunststoff, Holz, Glas, Keramik) die eine Sprengladung umschließt. In der Hülle gibt es ein oder mehrere Aufnahmen für Zünder, die auf viele verschiedene Einflüsse (Zug, Druck, Entlastung, Licht, Schall, Magnetfeld usw.) reagieren können. Durch die Entwicklung in der Mikroelektronik hat sich die Bandbreite möglicher Zündsysteme immens erweitert. Minen, insbesondere Panzerminen, können zusätzlich zum eigentlichen Zünder noch mit anderen Zündern ausgestattet sein, die das Entschärfen der Mine durch Minenräumer verhindern sollen.

Die Verwendung von verrottungsfreien Materialien als Minenkörper führt zu einer extrem langen Lebensdauer der Minen. Da Minen meistens unter Einsatz von Metalldetektoren aufgespürt werden, wurde der Metallanteil der meisten Sprengminen (AP und AT) konsequent auf ein absolutes Minimum reduziert. Oftmals bleibt damit für die Suche nur der noch zeitaufwendigere Einsatz der Minensuchnadel. (Das bekannte auf dem Bauch robben.) Oft brauchte ich mehrere Stunden für wenige Meter. Ein toter Gegner ist einfach ein Gegner weniger, ein durch Minen verletzter Gegner hat zunächst eine moralische Wirkung, bindet dann durch seine Verletzung zunächst Helfer auf dem Gefechtsfeld, erfordert medizinische Hilfe an der Front und Transportkapazitäten ins Hinterland, danach medizinische und allgemeine Versorgung und Rehabilitation (was man oft in Rijeka sehen konnte). Die hochgerechnete Massenwirkung ist der beabsichtigte Nebeneffekt.

Anti Personen Minen

Dienen zur Bekämpfung lebender Ziele, wobei zwischen Tötungsabsicht und Verletzungsabsicht unterschieden werden muss. Grundsätzlich gibt es vier Hauptgruppen:

Sprengminen
Splitterminen
Splittersprengminen
Splitterrichtminen

Sprengminen sind meist simple Behältnisse aus verschiedensten Materialien wie Holz, Kunststoff usw. Die in der Regel im Boden verdeckt verlegt werden.

Sie beinhalten meistens zwischen 20 g und 200 g Sprengstoff und werden meist durch Druck ausgelöst.
Der Zweck besteht darin, Verletzungen der unteren Extremitäten hervorzurufen. Typische Verletzungsbilder sind Abriss des Fußes bzw. des Beines bis oberhalb des Knies, Verletzungen der Genitalien, des Unterbauchs, der Augen und Ohren.

Verschiedene Antipersonen Sprengminen

PMD 6M, Holz, Russland, 200 g TNT M 14, Kunststoff USA, 27 g Tetry PFM 1 Kunststoff Russland, 27 g Flüssigsprengstoff

Splitterminen sind in der Regel zylindrische Körper aus Metall mit vorfragmentierten Splitterkörpern. Insbesondere aus der Zeit des II. WK sind Varianten aus einem Beton/Stahlschrott-Gemisch bekannt. Splitterminen werden meist auf Pflöcken ca. 20 cm oberhalb der Geländeoberfläche verlegt (daher auch die gängige Bezeichnung: „Stockmine“). Die Auslösung erfolgt meist über einen Zugdraht. Stock- bzw. Splitterminen dienen zum Töten/ Verletzen des Gegners durch die Splitterwirkung. Der Sprengstoffgehalt beträgt zwischen 70 g und 100 g, die tödliche Wirkung liegt im Durchschnitt zw. 5 m bis 10 m im Umkreis.
Splitterminen bieten weitgesteckte Möglichkeiten für die improvisierte Herstellung.
Es wurden während des Krieges unzählige Fallen erfunden (siehe Film „No man’s Land“) die bis heute auf uns warten.

Prinzipschnitt Splittermine PMR 3, Jugoslawien, 410 g TNT POMS 2M, Russland, 70 g TNT Jablinka, improvisiert, Jugoslawien, 70 g TNT

Splittersprengminen

Splitterspringminen sind in der Regel zylindrische konservendosen ähnliche Körper aus Metall mit vorgefertigten Splittern bzw. vorfragmentierten Splitterkörpern, die sich im Mineninneren befinden.
Diese Minen werden verdeckt, d.h. unterhalb der Erdoberfläche verlegt, nur der Zünder ragt ggf. knapp über die Geländeoberkante.
Die Auslösung erfolgt meist über mechanische Zug- bzw. Druckzünder, kann aber auch elektrisch per handbedienter Zündmaschine (sog. Beobachtungsminen) erfolgen. Die Kombination elektrischer / elektronischer und mechanischer Zünderkomponenten ist bereits seit dem zweiten Weltkrieg gängige Praxis

Splitterspringminen kommen zur Wirkung, indem sie nach der Auslösung durch eine pyrotechnische Ausstoßladung beschleunigt aus dem Boden springen und in einer Höhe von ca. 0,2 m bis 1,5 m detonieren. Die Splitter wirken in 360° Umkreis und bewegen sich trichterförmig vom Detonationspunkt weg. Der tödliche Radius beträgt ca. 8 m bis zu 50 m. Darüber hinaus sind schwere Verletzungen auch in wesentlich weiteren Abständen möglich. Der Sprengstoffgehalt kann von ca. 100 g bis zu mehreren kg betragen. Bei diesen großkalibrigen Splitterspringminen handelt es sich meist um angepasste Artillerie- bzw. Mörsergranaten.

M16, USA, 590 g TNT M 16, verlegt Type 69, China, 105 g TNT OSM-UWK, Russland, Splitter etwa 2,7 kg TNT Prinzipschnitt Zünder Sprengstoff Auslösevorrichtung

Bei Splitterrichtminen handelt es sich um Minen, bei denen auf Grund spezieller Formgebung eine Bündelung und Richtungsgebung der Splittergarbe erzielt wird. Der Wirkradius der Splitter ist vordefiniert, so dass die Mine ähnlich einer Schrotflinte bereits beim Verlegen gerichtet werden kann.
Bei den Splitterkörpern handelt es sich um vorgefertigte Segmente wie Walzen oder Kugeln. Bei improvisierten Minen können alle möglichen Formen und Materialien als Splitterkörper Verwendung finden.
Splitterrichtminen werden meist oberhalb der Geländeoberkante, an Bäumen, Hauswänden, in Tunneln, Hohlwegen u.ä. verlegt.

Die Auslösung erfolgt meist über mechanische Zugzünder, kann aber auch elektrisch, fernbedient erfolgen.
Bei der Auslösung detoniert der Sprengstoff in der Mine.
Dadurch werden die Splitterkörper, die sich in Wirkrichtung gesehen vor dem Sprengstoff befinden, weggeschleudert. Der tödliche Wirkradius liegt zw. ca. 50 m bis zu 260 m. Darüber hinaus sind schwere Verletzungen auch in wesentlich weiteren Abständen möglich. Der Sprengstoffgehalt kann von ca. 100 g bis zu mehreren kg betragen.
Splitterrichtminen bieten weitgestreckte Möglichkeiten für die improvisierte Herstellung. Wovon in den Jugoslawien Krieg reichlich Gebrauch gemacht wurde.

Verschiedene Antipersonen Splitterrichtminen

M 18 Claymore, USA, 680 g C4 MRUD, Jugoslawien, 900 g Vitesit MON 100, Russland, 2,0 kg TNT Zündleitung, Sprengstoff (gelb), Splitter (grau)

Antitank Minen

AT-Minen dienen zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge und KFZ.
Auf Grund ihrer Konstruktion wirken AT-Minen natürlich auch gegen alle Arten von zivilen KFZ sowie, entgegen den Behauptungen der Hersteller, auch gegen Menschen. Sei es durch unsachgemäße Räumversuche, sei es durch die Auslösung besonders sensibler Zünder durch Menschen.
Prinzipiell alle AT-Minen können gegen Wiederaufnahme gesichert sein.

Grundsätzlich gibt es zwei Hauptgruppen:
Anti Tank Sprengminen (auch bekannt als Panzerkettenminen)
Anti Tank Hohlladungsminen (auch bekannt als Panzerwannenminen)


Anti Tank Sprengminen

AT-Sprengminen sind in der Regel geballte Ladungen von 1,5 bis über 10,0 kg Sprengstoff in Gehäusen aus Metall, Holz, Kunststoff, Textilien oder ähnlichen. Sie wirken als geballte Ladung auf das Fahrwerk des Ziels.

Die Auslösung der meisten AT-Sprengminen erfolgt durch einfache mechanische Kontaktzünder (Druck, Kipp) bei Überfahren der Mine durch eine entsprechende Last. Diese klassischen AT-Minen waren noch zur Zerstörung des Fahrwerks gedacht, um damit das Ziel bewegungsunfähig zu machen. Danach konnte es durch z.B. Artillerie oder Panzerabwehrhandwaffen vernichtet werden.

Verschiedene Anti Tank Sprengminen

M 15, Metall, USA, 10,3 kg Comp. B AT Cuba, Kunststoff, bis 8,0 Kg TNT TMD 44, Holz, Russland, 5,0-7,0 kg TNT TM 62 T, Textil, Russland, 7,0-8,0 kg TNT
Prinzipschnitt einer Anti Tank Sprengmine

Anti Tank Hohlladungsminen

Diese Minen wirken unter Ausnutzung verschiedener Aspekte des Hohlladungseffekts hauptsächlich auf das Fahrzeuginnere und damit auch auf die darin befindlichen Menschen. Für mich sahen sie dann oft wie abgebrannte Barbie Puppen aus.

Bereits seit dem zweiten Weltkrieg geht der Trend in die Richtung, mit der Wirkung der Mine gleichzeitig die Vernichtung des Panzers und der Menschen im Inneren zu erreichen.
Während es sich bei HL-Minen der ersten Generation noch um einfache Panzerabwehrhandwaffen auf Gestellen und mit Kontaktzündern handelte, sind moderne HL-Minen eigenständige hoch entwickelte Waffensysteme mit meist umfangreicher Sensorik.

Beispiele der Anti Tank Hohlladungsminen

TMRP 6, Jugoslawien MIACAH AT-Mine, projektilbildend, Frankreich Prinzipschnitt AT-HL-MinenSechs AT-Streuminen PTM 3, Russland, in Verlegecontainer

Besondere Anwendungsformen

Wenn auch Thematisch nicht ganz passend, wollte ich noch eine besondere Form des Sprengstoffeinsatzes nicht unerwähnt lassen.
Der Einsatz erfolgt im terroristischem, geheimdienstlichen, staatsterroristischen und kriminellen Bereich.
Es kommen spezielle Anfertigungen in Form von z.B. Kugelschreibern, Spielzeugen, Autobomben sowie Sprengstoffgürteln vor.
Noch eine theoretische Bedrohung besteht vor dem Einsatz so genannter „Schmutziger Bomben“. Es handelt sich um mit schwach angereicherten Uran oder Plutonium vermischten Konventionalsprengstoff. Aus den Abfällen der Energiegewinnung, des Militärs, oder durch das Diebstahl aus den verschiedenen Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Der größte Umschlagplatz dürfte im Niederlande liegen.