Schon in der Antike war Bosnien ein wichtiges Transitland zwischen Adria und Donauraum, so dass sich in dem kargen und gebirgigen Land einige wohlhabende Handelsstädte herausbilden konnten. Nach der Einwanderung der Slawen im 6. und 7. Jahrhundert war Bosnien weiterhin meist eine von Byzanz abhängige Provinz mit lokalen Fürsten.

Es war zeitweise auch Teil der bulgarischen, serbischen und kroatischen Großreiche. Der Begriff Bosnien taucht erstmals um das 10. Jahrhundert auf, allerdings bezieht er sich hier nur auf das Kernland am Oberlauf der Bosna. In den Jahren 1154 bis 1463 war es meist ein selbstständiges Fürstentum bzw. später Königreich. Seit der Mitte des 13.Jahrhunderts bis zur osmanischen Eroberung war Bosnien der mächtigste Staat des Westbalkans.

25. Oktober 1478 starb die letzte Bosnische Königin Katarina Kosača-Kotromanić in Rom, ihr Körper ruht in der Kirche Ara-Celi.

1463 wurde Sarajewo von den Osmanen eingenommen, erst 70 Jahre später Bihać als letzte bosnische Stadt. Bosnien wurde damit zu einem osmanischen Wilajet (Provinz). Mit der Rückeroberung Südungarns und Slawoniens durch Prinz Eugen wurde das Land zur Grenzzone. Österreichische Truppen versuchten mehrmals, auch Bosnien zu erobern, was aber scheiterte, so dass sich die Savegrenze stabilisieren konnte. Allerdings zerstörte Prinz Eugen bei einem Feldzug Sarajewo. In den Gebieten um Bihać und entlang der Save wurden Befestigungen und Wehrdörfer eingerichtet. In diesem Grenzgebiet wurden auch viel Serben (als Vlachen bezeichnet) angesiedelt. Mit der Reconquista in Spanien siedelten sich auch vertriebene sephardische Juden in Bosnien an.

1878 wurde Bosnien österreichisch-ungarischer Verwaltung unterstellt, während es bis 1908 formell weiterhin dem Sultan unterstand. In dieser Zeit wurde der Begriff Bosnien-Herzegowina (Bosna i Hercegovina) geprägt.
Der mittelalterliche Staat Bosnien war im zum Teilkatholisch. Allerdings fiel hier die aus Bulgarien kommende Bogomilen-Bewegung, hier auch als bosnische Kirche bekannt, auf fruchtbaren Boden und konnte sich länger halten als in Bulgarien selbst. Die früher beliebte Behauptung, die von der katholischen Kirche verfolgten Bogomilen haben den Grundstock für die Islamisierung Bosniens gelegt, ist ist vermutlich richtig.

Bereits seit 1699 war die Macht des türkischen Sultans auf dem Rückzug. Dies war auf die Bemühungen Österreichs und Russlands zurückzuführen, ihr Territorium auf Kosten der Türkei auszuweiten. Später kamen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Völker auf dem europäischen Territorium des türkischen Reichs hinzu. Lediglich der Umstand, dass Österreich und Russland sich über eine Aufteilung des Osmanischen Reichs und über den Einfluss auf die Nachfolgestaaten nicht einig werden konnten, sowie die Politik der übrigen europäischen Mächte, die das russische Streben in Richtung auf die strategisch wichtigen Meerengen Bosporus und Dardanellen zu vereiteln suchten (wie vor allem im Krimkrieg), ließ das Osmanische Reich das 19. Jahrhundert auf europäischem Boden überhaupt überleben.

1878 diktierte Russland nach dem 9. Russischen Türkenkrieg im Vorfrieden von San Stefano dem Osmanischen Reich die Aufgabe aller europäischen Gebiete. Dieser enorme einseitige Machtzuwachs zugunsten Russlands rief die übrigen europäischen Mächte auf den Plan. Im Rahmen des Berliner Kongresses wurde zum Missfallen Russlands das europäische Gebiet der Türkei aufgeteilt. Davon profitierten Serbien und Montenegro sowie die Türkei selbst, die noch einen großen Teil ihrer europäischen Provinzen behalten konnte. Auch Bosnien und die Herzegowina verblieben formell bei der Türkei, wurden allerdings gemäß Art. 25 des Berliner Friedens vom 13. Juli 1878 unter österreichisch-ungarische Verwaltung gestellt, welche das k.u.k. Finanzministerium ausübte.

Art. 25 lautete wie folgt: Die Provinzen Bosnien und Herzegowina werden von Österreich-Ungarn besetzt und verwaltet werden. Da die österreichisch-ungarische Regierung nicht den Wunsch hegt, die Verwaltung des Sandschaks von Novipazar zu übernehmen, welches sich zwischen Serbien und Montenegro in südöstlicher Richtung bis jenseits Mitrovitza erstreckt, so wird die ottomanische Verwaltung daselbst fortgeführt werden. Um jedoch sowohl den Bestand der neuen politischen Ordnung, als auch die Freiheit und die Sicherheit der Verkehrswege zu wahren, behält sich Österreich-Ungarn das Recht vor, im ganzen Umfang dieses Teils des alten Vilajets von Bosnien Garnisonen zu halten und Militär- und Handelsstrassen zu besitzen.

Am 29. Juli 1878 setzte Österreich-Ungarn diesen Artikel durch die militärische Besetzung Bosniens und der Herzegowina um, die vielerorts blutig verlief. Im Sandschak von Novi Pazar wurden die Städte Priboj, Prijepolje und Bjelo Polje ebenfalls besetzt.

Am 5. Oktober 1908 annektierte Österreich-Ungarn, als das Osmanische Reich nach der Revolution der Jungtürken im Juli des Jahres vorübergehend in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt war, die Provinz Bosnien-Herzegowina auch formell. Dies geschah vor allem, um von den zahlreichen innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken, zum anderen sollte demonstriert werden, dass die im Abstieg begriffene Großmacht zur Ausweitung ihres Territoriums fähig war. In Österreich-Ungarn sah man im Erwerb Bosniens eine Art Kompensation für die Jahrzehnte zuvor in Italien verlorenen Gebiete. Unter der Herrschaft Kaiser Franz Josephs hatte sich Österreich um Venetien und die Lombardei verkleinert, und es war obendrein 1866 aus dem Deutschen Bund ausgeschlossen worden. Mit der Annexion sollte Österreich-Ungarn nun auch einmal wieder etwas größer werden und ein Erfolgserlebnis sich einstellen, das dem Staatsganzen zugute kommen sollte.

Politische Auswirkungen

Die Annexion geschah für ganz Europa überraschend.
Nicht einmal der deutsche Bündnispartner war rechtzeitig informiert worden, und auch Russland, der Gegenspieler Österreichs und Schirmherr der Slawen in der äußerst sensiblen Balkanregion, hatte über Andeutungen hinaus keine Informationen erhalten. Damit kam es zu einer europäischen Krise, nicht zuletzt, weil Österreich-Ungarn die Reaktionen der europäischen Mächte auf die Annexion hin völlig unterschätzt hatte. Infolge des einseitigen Schritts der Donaumonarchie bestand einige Wochen lang akute Kriegsgefahr, da England und Russland damit drohten,

das Osmanische Reich in seine Rechtsstellung wieder einzusetzen. Die Türkei selbst reagierte mit einem Handelsboykott gegen österreichische Waren, was den österreichischen Handel in dieser Region schwer schädigte. Auch Serbien, das unter der Hand langfristig den Anschluss der beiden Provinzen anstrebte, war alarmiert. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten waren ohnehin in den vergangenen Jahren auf das Äußerste belastet worden, seit Österreich die serbische Landwirtschaft dadurch, dass es 1906 die Grenzen für serbisches Schweinefleisch sperrte („sogenannter Schweinekrieg“), an den Rande eines Ruins geführt hatte, wodurch in Serbien die Abneigung gegen Österreich gewachsen war.

Die Annexion brachte Österreich-Ungarn sehr viel mehr Nachteile als Vorteile, so dass sich bei weitem nicht nur der Sozialdemokrat Karl Renner im Wiener Reichsrat darüber entsetzte. Es war zunächst unklar, ob Ungarn oder Cisleithanien die Souveränität über Bosnien und die Herzegowina bekommen sollte, so dass die fragile innerstaatliche Machtbalance bedroht war. Die ungarische Regierung beanspruchte die neuen Provinzen, weil Bosnien im Mittelalter zeitweise Teil der Stephanskrone gewesen war. Aber auch kroatische Nationalisten sahen ihre Chance gekommen. Sie forderten, dass Bosnien zum teilautonomen Königreich Kroatien geschlagen werden sollte, welches nach ihren Vorstellungen dann, zusätzlich vermehrt um Dalmatien, aus der ungarischen Hegemonie gelöst und zum dritten Teilstaat der Donaumonarchie erhoben werden sollte. Damit wäre die im österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 errichtete dualistische Staatskonstruktion zu einem Trialismus geworden. Endlich wurde entschieden, dass Bosnien-Herzegowina durch beide Reichshälften gemeinsam verwaltet und damit (wie faktisch schon bislang) gewissermaßen reichsunmittelbar werden sollte.

Mit der Annexion hatte Österreich-Ungarn sich außerdem die Last aufgebürdet, das Gebiet gegen jeden Angriff von außen und im Falle innerer Unruhen zu verteidigen – beide Fälle waren 1908 wegen der russischen und serbischen Interessen einerseits sowie der bosnisch-serbischen Haltung zu Österreich-Ungarn andererseits keineswegs unwahrscheinlich.

Hierbei war in Betracht zu ziehen, dass Österreich-Ungarn die Herrschaft über Bosnien-Herzegowina lediglich aufgrund eines Rechtstitels beanspruchte, den – im vollen Gegensatz zur vorherigen Rechtsstellung, die Österreich von ganz Europa garantiert worden war – in Europa fürs erste niemand anerkannte, so dass Österreich im Falle eines Angriffs auf Bosnien und die Herzegowina unter Umständen ohne Hilfe von Verbündeten dastehen konnte.

Innenpolitisch und wirtschaftlich wurde Österreich-Ungarn durch die Annexion Bosniens und der Herzegowina geschwächt. Es handelte sich um bitterarme Provinzen, in welchen wirtschaftlich nur wenig zu holen war. Der Wirtschaftsboykott und die Mobilisierung der Armeen des österreich-ungarischen Staats hingegen belasteten die Wirtschaft der Donaumonarchie erheblich.

Infolge der akuten Kriegsgefahr im Zuge der Annexionskrise sahen Nationalisten aller Schattierungen – nicht nur der Südslawen – die Chance auf Durchsetzung ihrer nationalstaatlichen Ideen näherrücken, während die deutschen Österreicher über die weitere Slawisierung Österreich-Ungarns klagten. In Wien, Prag, Laibach und weiteren Städten der Monarchie kam es aufgrund dieser nationalen Aufwallungen zu zahlreichen Krawallen vor allen an den Universitäten. Von Prag griffen diese Unruhen auf zahlreiche weitere böhmische und mährische Städte über, wo sich Deutsche und Tschechen gewaltsam attackierten. In Prag führte das so weit, dass der Ausnahmezustand verhängt werden musste. Die Annexion hatte innenpolitisch also nichts als Unfrieden geschaffen, und der Nationalismus war aggressiver statt schwächer geworden.

Beilegung der Krise
Erst am 29. März 1909 wurde die Annexionskrise außenpolitisch beigelegt, indem der deutsche Reichskanzler Bernhard von Bülow vor dem Reichstag die Erklärung verlas, dass das Deutsche Reich sich hinter Österreich-Ungarn stelle. Bei dieser Gelegenheit fiel das verhängnisvolle Wort von der „Nibelungentreue“ zum ersten Mal. Damit hatte das Deutsche Reich aber Russland und England brüskiert, die die österreichische Annexion nicht hatten anerkennen wollen.

Obwohl ein europäischer Krieg noch vermieden werden konnte, ist die Annexionskrise als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Ersten Weltkrieg anzusehen. Ein großer Krieg um den Balkan war in Sichtweite gerückt; er brach 1912 auch aus, wenngleich vorerst noch nicht unter direkter Beteiligung der Großmächte. Aus dem Frieden in Europa war endgültig ein Vorkrieg geworden. Außerdem hatte sich gezeigt, wie ausschließlich Österreich-Ungarn auf das Deutsche Reich angewiesen war, von dem sein Wohl und Wehe in den meisten Beziehungen offensichtlich abhing.

Der Berliner Vertrag war der Schlusspunkt des Berliner Kongresses (13. Juni – 13. Juli 1878), durch welchen der Frieden von San Stefano (3. März 1878) revidiert und der russisch-osmanische Krieg formell beendet wurde. Teilnehmer waren Deutschland, Russland, das Osmanische Reich, Großbritannien, Frankreich, Italien und Österreich-Ungarn.

Der Vertrag bestätigte die Unabhängigkeit der Fürstentümer Rumänien, Serbien und Montenegro. Bulgarien blieb unter osmanischer Oberhoheit, allerdings mit autonomem Status. Ostrumelien wurde davon getrennt, so daß zwei abhängige Fürstentümer entstanden und so vorerst der von Russland verfolgte Plan, ein unabhängiges Großbulgarien entstehen zu lassen, scheiterte. Die ehemals türkische Provinz Bosnien-Herzegowina und das Sandschak von Novi Pazar gerieten unter österreichisch-ungarische Verwaltung, blieben aber formell Teil des Osmanischen Reiches.

Die drei unabhängig gewordenen Staaten erklärten sich in den folgenden Jahren zu Königreichen (Rumänien im Jahr 1881, Serbien 1882 und Montenegro 1910), während Bulgarien 1908 seine Unabhängigkeit erklärte (nachdem es sich 1885 mit Ostrumelien vereinigt hatte). Österreich-Ungarn annektierte 1908 Bosnien und legte damit die Zündschnur zu einer Entwicklung, die in den Ersten Weltkrieg münden sollte. Das Attentat von Sarajevo, bei dem am 28. Juni 1914 der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg, starben, war Anlass für die Julikrise von 1914, die in ihrem Verlauf den Ersten Weltkrieg auslöste.

Gründe für den Besuch
Der Erzherzog wollte dem Abschluss der Manöver des k. u. k. XVI Korps in Bosnien beiwohnen. Der Besuch geschah auf Bitte des Landesbefehlshabers von Bosnien-Herzegowina, Oskar Potiorek. Potiorek war der Meinung, dass man das Ansehen der Monarchie, das seit der Bosnischen Annexionskrise nicht sehr hoch stand, mit einem Besuch des Thronfolgers pflegen sollte.

Vor dem Besuch in Bosnien waren Warnungen ausgesprochen worden, doch war keine davon so konkret, dass sich der Erzherzog vom Besuch hätte abhalten lassen. „Unter einen Glassturz“, hat er bei einer anderen Gelegenheit gesagt, „lasse ich mich nicht stellen. In Lebensgefahr sind wir immer. Man muss nur auf Gott vertrauen“. Da niemand mit Gefahr rechnete, fielen die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend lasch aus. Der Zeitplan und die Fahrtroute wurden Wochen vor dem Besuch in den Zeitungen öffentlich bekannt gegeben, wahrscheinlich auch um möglichst viele jubelnde Zuschauer anzulocken.
Der Besuch sollte am 28. Juni, dem Veitstag (Vidovdan), stattfinden. Zugleich war an diesem Tag der 525. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld, ein symbolisches Datum für viele Serben. Das Datum des Besuchs war allerdings nicht als Provokation gedacht, vielmehr hatte der Zufall hereingespielt: der Frühsommer war eine übliche Jahreszeit für Manöver.
Viele serbische Nationalisten riefen angesichts der Gelegenheit, das verhasste Österreich-Ungarn im eigenen Land zu treffen, zu einem Anschlag auf. Drei Mitglieder der proserbischen bosniakischen Jugendorganisation Mlada Bosna (Junges Bosnien) lasen in österreichischen Zeitungen über den bevorstehenden Besuch Franz Ferdinands und entschlossen sich zu einem Attentat auf ihn: Gavrilo Princip, ein 20jähriger Gymnasiast, Nedeljko Čabrinović, ein 19jähriger Druckergeselle, und Trifun „Trifko“ Grabež, ein 18jähriger Schulabbrecher.

Die Warnung
Als der serbische Regierungschef Nikola Pašić vom Mordplan erfuhr, befand er sich in einer delikaten Situation. Wenn er den Plan zur Ausführung gelangen ließ, riskierte er wegen der Verbindung zur Schwarzen Hand einen Krieg mit Österreich-Ungarn; wenn er den Plan verriet, riskierte er von seinen Landsleuten als Verräter hingestellt zu werden. Pašić versuchte, Österreich-Ungarn mit vagen diplomatischen Aussagen vor dem Anschlag zu warnen, und betraute Jovan Jovanović, den serbischen Gesandten in Wien, mit dieser Aufgabe. Jovanović, der als Nationalist galt und in Wien selten herzlich empfangen wurde, konnte den als offen und umgänglich bekannten k. u. k. Finanzminister von Bilinski in ein Gespräch verwickeln und offenbarte ihm bei dieser Gelehenheit, dass es gut und vernünftig wäre, wenn Franz Ferdinand nicht nach Sarajevo reiste, weil sonst „irgendein junger Serbe statt einer Platzpatrone eine scharfe Kugel nehmen und sie abschießen könnte“. Bilinski war sich der Bedeutung dieser Worte nicht bewusst, erwiderte lachend, „lassen sie uns hoffen, dass sowas niemals passiert“ und behielt den Inhalt des Gesprächs für sich.

Vorbereitungen für den Anschlag
Gavrilo Princip fasste im Frühling 1914 in Belgrad den Entschluss, Franz Ferdinand zu töten. Er weihte Čabrinović und Grabež in den Plan ein und sicherte sich ihre Unterstützung. Da Princip bewusst war, dass er den Plan nicht ohne fremde Hilfe in die Tat umsetzen kann, kontaktierte er Milan Ciganović, einen serbischen Geheimdienstler und bekannten Volkshelden, der offiziell als Finanzbeamter arbeitete und im selben Haus wohnte. Ciganović stand mit Major Vojin P. Tankosić in Verbindung, den Princip kannte.

Ciganović gab den militärisch unerfahrenen Jugendlichen in Topčider Schießunterricht und übergab ihnen am 27. Mai 1914 vier Pistolen mit Munition und sechs Bomben aus serbischen Armeebeständen. Weiters bekamen sie Zyankali-Fläschchen, um sich im Fall einer Gefangennahme zu töten, und etwas Geld für die Reisekosten.
Die drei ursprünglich angeworbenen Attentäter reisten einen Monat vor dem Anschlag über Tuzla nach Sarajevo. Ciganović half ihnen, unter Mitwirkung von einigen Mitarbeitern des serbischen Geheimdienstes unbemerkt mit Waffen nach Bosnien zu gelangen. In Sarajevo schloss sich ihnen als viertes Mitglied Danilo Ilić, ein 23jähriger Lehrer, an. Ilić warb drei weitere Mitglieder von Mlada Bosna an, Vaso Čubrilović und Cvetko Popović, zwei 17jährige Gymnasiasten, sowie Muhamed Mehmedbašić, einen 27jährigen Schreiner und muslimischen Bosniaken.
An der Verschwörung waren auch andere Mitglieder von Mlada Bosna beteiligt, die nicht unmittelbar oder bewaffnet in Erscheinung getreten sind: Veljko Čubrilović, Vasos Bruder und Lehrer aus Priboj, Miško Jovanović, Kaufmann und Bankdirektor aus Tuzla, Mladen Stojaković, Arzt und später Volksheld im Zweiten Weltkrieg, sein Bruder Sreten, Bildhauer; Jezdimir Dangić, Gendarmerie-Oberstleutnant und später Tschetnik-Woiwode, Mitar Kerović und sein Sohn Neđa, und schließlich Jakov Milović, ein Landwirt aus Ostbosnien.
Als die Vorbereitungen zum Anschlag so gut wie abgeschlossen waren, bekam Ilić von Belgrad die Order, das Attentat abzublasen. Die Führung der Schwarzen Hand hatte es sich inzwischen anders überlegt und befürchtete ernsthafte Konsequenzen im Falle eines Erfolges. Dragutin Dimitrijević Apis, der Chef des serbischen Geheimdienstes und einer der Anführer der Schwarzen Hand, sandte einen Agenten nach Sarajevo, der sich mit Ilić traf, um ihm die Order zu übergeben. Doch Princip wollte davon nichts wissen und überredete Ilić schließlich dazu, den Plan trotzdem auszuführen.
Mehmedbašić und Čabrinović sollten als erste handeln und nahmen bei der Ćumurija-Brücke Aufstellung, während sich die anderen fünf Attentäter als Reserve weiter hinten, bis hin zur Kaiser-Brücke, postierten. Ilić pendelte unbewaffnet zwischen den Attentäter-Gruppen und sah zu, dass sie alles richtig machten.

Der Anschlag von Nedeljko Čabrinović
Am 28. Juni kam der Erzherzog am Bahnhof von Sarajevo an, wo er mit seiner Frau Sophie in ein Fahrzeug mit offenem Verdeck einstieg. Er war auf dem Weg von einer Truppenbesichtigung zum Rathaus (Konak) und fuhr in einer Kolonne aus sechs Autos auf dem Appell-Kai entlang des Miljacka-Flusses. Im ersten Fahrzeug saßen der Bürgermeister, Efendi Fehim Ćurčić, und der Polizeichef Dr. Gerde. Im zweiten Fahrzeug saßen Franz Ferdinand, seine Gemahlin Sophie, Landeschef General Potiorek und Franz Graf Harrach, der Fahrer. Im dritten Fahrzeug saßen Sophies Kammerfrau, Graf Boos-Waldeck und der Flügeladjutant des Landeschefs, Oberstleutnant Merizzi, der den Wagen fuhr. Im vierten und fünften Fahrzeug saßen andere Mitglieder von Franz Ferdinands Gefolgschaft und bosnische Beamte. Das sechste Fahrzeug war leer und wurde als Reserve mitgeführt.

Gegen 10 Uhr fuhr die Kolonne an Mehmedbašić vorbei, der eine Bombe werfen sollte, aber nichts unternahm. Er erklärte seine Untätigkeit später damit, dass er von Ilić die Anweisung bekommen habe, die Bombe nur dann zu werfen, wenn er den Wagen des Thronfolgers erkannte, was er aber nicht tat. Als nächstes fragte Čabrinović einen Polizisten nach dem Wagen, in dem Franz Ferdinand saß, und warf anschließend seine Bombe in Richtung des Wagens. Graf Harrach, der Fahrer, bemerkte das herbeifliegende dunkle Objekt und gab Gas, während Franz Ferdinand den Arm hob, um seine Frau vor dem Objekt zu schützen. Die Bombe prallte von Franz Ferdinands Arm ab, fiel über das zurückgelegte Verdeck des Wagens nach hinten und explodierte kurz vor dem dritten Automobil, wobei Oberstleutnant Merizzi und Graf Boos-Waldeck verletzt wurden, außerdem noch ein halbes Dutzend Schaulustiger.
Čabrinović schluckte das von der Schwarzen Hand zur Verfügung gestellte Zyankali und sprang in die Miljacka. Das Gift war jedoch alt und wirkte nicht, so dass er nur erbrach. Außerdem war der Fluss an der betreffenden Stelle nicht sehr tief. Čabrinović wurde von der Menge gefasst, wobei er fast gelyncht worden wäre, und verhaftet.
Nachdem Oberstleutnant Merizzi nach ersten Informationen nur leicht verletzt war und in das Garnisonsspital gebracht wurde, befahl der Thronfolger, dass die Fahrt zum Konak fortgesetzt werde. Auf dem Weg zum Konak fuhr die Kolonne an den anderen Attentätern vorbei, die aber nichts unternahmen. Vaso Čubrilović sagte später aus, dass er nicht schoss, weil ihm die Herzogin leid getan hätte, Cvetko Popović sagte aus, dass er Angst gehabt habe und in diesem Augenblick nicht wusste, was mit ihm geschah.
Im Konak angekommen, setzte der Bürgermeister vor vielen lokalen Würdenträgern zu einer vorbereiteten Begrüßungsrede an, wurde jedoch sofort von Franz Ferdinand unterbrochen: „Warten Sie einen Augenblick! Ich komme nach Sarajewo als Gast und man empfängt mich hier mit Bomben! Jetzt können Sie reden.“ Er konnte sich aber schließlich beruhigen. Nach seinem Besuch im Konak verfügte er eine Änderung der Route. Er wollte nicht wie geplant direkt zum Museum fahren, sondern auch den beim ersten Anschlag am Hals verletzten Oberstleutnant Merizzi im Krankenhaus besuchen.

Der Anschlag von Gavrilo Princip
Entgegen den Anweisungen bog die Wagenkolonne auf Höhe der über die Miljacka führenden Lateinerbrücke aber in die ursprünglich geplante Route ein. Der Fahrer, der dies noch rechtzeitig bemerkte, wollte gerade zurückschieben, als Princip, der sich enttäuscht vom Schauplatz entfernt und im Café Schiller einen Sandwich gekauft hatte, zu seiner großen Überraschung sah, wie das Fahrzeug des Thronfolgers vor dem Café anhielt. Er ergriff die Gelegenheit, ging aus dem Café, zog seine Pistole und gab sofort aus etwa drei Metern Entfernung zwei Schüsse ab. Franz Ferdinand wurde in die Halsschlagader getroffen, Sophie von Hohenberg in den Unterleib. Princip sagte später aus, dass er Sophie gar nicht treffen wollte, die Schüsse galten Franz Ferdinand und Potiorek.
Sofort schluckte Princip sein Zyankali, erbrach es aber, woraufhin er sich mit der Pistole zu erschießen versuchte. Die Pistole wurde ihm jedoch aus der Hand gerissen und die wütende Menge wollte ihn lynchen. Während Princip sofort verhaftet wurde, drehte Graf Harrach um und fuhr schnell zu Potioreks Residenz. Franz Ferdinand sprach zu seiner Frau: „Sopherl! Sopherl! Sterbe nicht! Bleibe am Leben für unsere Kinder!“. Doch vergeblich, beide verbluteten noch während der Fahrt an ihren Verletzungen.

Die politischen Folgen des Attentats
Čabrinović, Princip und die anderen Attentäter mit Ausnahme von Mehmedbašić wurden nach und nach festgenommen. Während der Verhöre schwiegen sie zunächst beharrlich, bis sie auf Wunsch von Princip aufgaben und alles gestanden, woraufhin auch die meisten anderen Verschwörer verhaftet wurden. Der österreich-ungarische Sektionsrat Friedrich von Wiesner leitete die Ermittlungen und schrieb in seinem Bericht vom 13. Juli 1914 an das k. u. k. Außenministerium: „Mitwissenschaft serbischer Regierung an der Leitung des Attentats oder dessen Vorbereitung und Beistellung der Waffen durch nichts erwiesen oder auch nur zu vermuten. Es bestehen vielmehr Anhaltspunkte, dies als ausgeschlossen anzusehen.“
Die serbische Regierung bedauerte den Vorfall und bestritt eine Verbindung mit dem Attentat. Sie wies darauf hin, dass alle Täter aus dem annektierten Bosnien stammten und formell Österreicher seien. Außerdem gäbe es keine Beweise, die auf ein offizielles serbisches Engagement hindeuteten. Dagegen wurde in Österreich-Ungarn die serbische Organisation Narodna Odbrana (Volksverteidigung) als Anstifter des Attentats bekannt gegeben.

Wegen gegensätzlicher Interessen auf dem Balkan waren die Fronten zwischen Österreich-Ungarn und Serbien lange verhärtet. Österreich-Ungarn strebte nach der Erweiterung seines Gebietes und wollte mit der Unterstützung Deutschlands die Sinnkrise der eigenen Monarchie mit einem Sieg gegen einen langjährigen Feind beenden, während Serbien den österreichisch-ungarischen Einfluss im Balkan als überholt und wirklungslos betrachtete und mit der Hilfe Russlands eine Neuordnung der Region im Sinne des Panslawismus herbeiführen wollte. Zudem unterstützte Österreich-Ungarn albanische Kräfte als bewusste Maßnahme zur Schwächung Serbiens. Österreich-Ungarn stieß sich auch an der als feindlich erachteten kritischen serbischen Presse, die Hetzereien gegen die Monarchie betrieben habe und für die aufgeheizte politische Stimmung verantwortlich gewesen sei, die den Mord am österreichischen Thronfolger begünstigt habe. Serbien berief sich dagegen auf die verfassungsrechtlich garantierte Pressefreiheit von privaten Medien und sah in der amtlich gelenkten und nationalistischen österreichisch-ungarischen Presse den wahren Problemherd. Das Attentat von Sarajevo war der Auslöser, aber nicht die alleinige Ursache des darauf folgenden Weltkrieges.

Als Reaktion auf das Attentat stellte Österreich-Ungarn Serbien am 23. Juli 1914 ein äußerst hartes, auf 48 Stunden befristetes Ultimatum, das von Serbien nicht bedingungslos akzeptiert werden konnte, ohne die staatliche Souveränität aufzugeben. Das „Ultimatum“ war offiziell eine Démarche, weil darin bloß mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen gedroht wurde, und nicht direkt mit dem Krieg. Serbien antwortete nachgebend auf das Ultimatum innerhalb der vorgegebenen Frist, akzeptierte es jedoch nicht bedingungslos und begann gleichzeitig mit einer Mobilmachung. In Folge erklärte Österreich-Ungarn Serbien wie erwartet am 28. Juli 1914 den Krieg, womit der Erste Weltkrieg begann.

Der Prozess gegen die Attentäter
Von 12. Oktober bis 23. Oktober 1914 fand in Sarajevo der Gerichtsprozess gegen insgesamt 25 Angeklagte wegen Hochverrats und Mordes statt. Im Prozess bestritten die meisten Angeklagten jede Verbindung mit dem offiziellen Serbien.

Gavrilo Princip
Gavrilo Princip sagte aus, dass er die Tat nicht bereue und sich auch nicht als Verbrecher betrachte, er habe bloß einen Tyrannen ermordet. Er sagte, dass er ein Revolutionär sei, Österreich-Ungarn hasse und dessen Untergang wünsche. Niemand habe ihn zur Tat angestiftet, er bestritt jede offizielle Verbindung zu Serbien. Zur Beteuerung behauptete er, dass ihn Ciganović warnte, dass die serbischen Behörden sie verhaften würden, wenn sie von ihrem Plan erfuhren. Er sagte auch, dass es ihm leid täte, die Frau des Erzherzogs, eine Tschechin, getötet zu haben, und dass dieser Schuss für Potiorek bestimmt gewesen sei.
Princip wurde vom Gericht des Hochverrats und Mordes für schuldig befunden und zu 20 Jahren Haft verurteilt. Für das Urteil war sein junges Alter zum Tatzeitpunkt entscheidend, das ihn vor der Todesstrafe bewahrte. Er starb jedoch schließlich unter miserablen Haftbedingungen 1918 im Theresienstädter Gefängnislazarett an Knochentuberkulose.

Nedeljko Čabrinović
gab als Grund für seine Tat an, dass Franz Ferdinand ein Feind der Slowenen, und besonders der Serben, gewesen sei. Er sagte weiters aus, dass in Österreich-Ungarn die Deutschen und die Ungarn das Sagen hätten, während die Slawen unterdrückt würden. Da er zum Tatzeitpunkt minderjährig war, wurde er vom Gericht zu 20 Jahren Haft verurteilt und starb 1916 an Tuberkulose.

Trifun „Trifko“ Grabež
nannte die Tat „den größten revolutionären Akt in der Geschichte“. Er wurde vom Gericht zu 20 Jahren Haft verurteilt, auch er war zu jung für ein Todesurteil. Er starb 1918 an Tuberkulose.

Danilo Ilić
wurde vom Gericht für schuldig befunden und zum Tode verurteilt, er war zum Tatzeitpunkt volljährig. Er wurde schließlich 1915 gemeinsam mit Miško Jovanović und Veljko Čubrilović durch Erhängen in einem Gefängnis in Sarajevo hingerichtet.

Vaso Čubrilović
wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt, er war zum Tatzeitpunkt minderjährig und konnte deswegen nicht zum Tode verurteilt werden. Nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie kam er frei. Er arbeitete später als Lehrer und Universitätsprofessor und wurde unter Tito Minister für Forstwirtschaft.

Cvetko Popović
wurde wegen Hochverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt und kam nach dem Zerfall der Donaumonarchie frei. Auch er war zum Tatzeitpunkt minderjährig. Er wurde später Kustos in der Ethnografischen Abteilung des Museums von Sarajevo.

Muhamed Mehmedbašić
wurde als einziger Beteiligter nicht verhaftet und setzte sich nach Montenegro ab, wo er mit seiner Teilnahme am Attentat öffentlich prahlte, so dass ihn die Montenegriner schließlich verhaften mussten. Österreich-Ungarn verlangte seine Auslieferung, was die Montenegriner in einen unangenehmen Zwiespalt brachte. Einerseits waren sie aufgrund von Abkommen an eine Zusammenarbeit mit Österreich-Ungarn gebunden, andererseits wollten sie die zahlreiche serbische Bevölkerung Montenegros nicht mit der Auslieferung gegen sich aufbringen. Wie durch Zufall konnte Mehmedbašić jedoch aus dem Gefängnis ausbrechen und entkommen, das Problem war somit aus montenegrinischer Sicht gelöst. Nach diesem Vorfall tauchte er unter und verhielt sich zunächst unauffällig. 1917 wurde er gemeinsam mit Dragutin Dimitrijević Apis, dem Anführer der Schwarzen Hand, wegen eines Mordkomplotts gegen den serbischen Prinzregenten Aleksandar Karađorđević verhaftet und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er wurde schließlich 1919 amnestiert und kehrte nach Sarajevo zurück, wo er ein bescheidenes Leben als Gärtner und Tischler führte. Er starb während des Zweiten Weltkriegs.

Miško Jovanović
transportierte die Waffen, die beim Anschlag benutzt wurden, von Tuzla nach Sarajevo. Um bei einer eventuellen Kontrolle auf dem Weg nach Sarajevo nicht aufzufallen, übergab Princip Jovanović die Waffen in Tuzla und bekam sie von ihm in Sarajevo wieder. Jovanović wurde vom Gericht der Beihilfe zum Mord für schuldig befunden und 1915 gemeinsam mit Danilo Ilić und Veljko Čubrilović durch Erhängen in einem Gefängnis in Sarajevo hingerichtet.
Veljko Čubrilović
Vasos Bruder, wurde der Beihilfe zum Mord für schuldig befunden und 1915 gemeinsam mit Miško Jovanović und Danilo Ilić durch Erhängen in einem Gefängnis in Sarajevo hingerichtet.

Ab 1943
war Hadsch Mohammed Amin al-Husseini, der Großmufti von Jerusalem in seiner Funktion als SS-Mitglied mit der Organisation und Ausbildung von bosnisch-islamischen Wehrmachteinheiten und Waffen-SS-Divisionen befasst.

Die größte war die nach ihm benannte 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS. Sie wurde nach dem Handschar, einem muslimischen Krummsäbel, auch Handschar-Division genannt. Ab Februar 1944 führte die Division Operationen gegen kommunistische Partisanen auf dem Balkan durch, wobei sie wohl durch exzessive Härte auffiel. Die bosnischen SS-Einheiten operierten zwar auf dem nominell von der Ustascha regierten Gebiet des „Unabhängigen Staates Kroatien“ und kämpften auf derselben Seite und unter demselben Oberkommando wie dessen Streitkräfte (die seit 1943 auch offiziell deutschem Oberkommando unterstanden), waren jedoch kein Teil der Ustascha selbst oder der Armee des „Unabhängigen Staates Kroatien“, sondern wurden von deutscher Seite selbstständig aufgestellt, wobei das Ustascha-Regime dies zwar billigte (und angesichts seiner Abhängigkeit vom Deutschen Reich auch gar nicht anders konnte), sie jedoch zugleich mit Misstrauen beobachtete, da es in ihnen den Ausdruck eines möglichen bosniakischen Separatismus sah.

Die Division bestand überwiegend aus bosniakischen Freiwilligigen, aber auch Volksdeutschen. Sie umfasste ca. 21.000 Mann, darunter auch Personal der nie ganz zur Aufstellung gekommenen 23. SS-Division “Kama.” Beim Rückzug aus dem Balkan wurde das kroatische Personal entlassen, die Reste der Division gerieten in Kärnten in britische Gefangenschaft.

1949 Die religiös-politische Vereinigung “Mladi Muslimani” (dt. Junge Moslems), die Verbindung zu einer Reihe aus fundamentalistisch-extremistischen Vereinigungen aus anderen islamischen Staaten hatte, starteten im Februar eine pro-islamische Revolte an, die jedoch aufgrund fehlender Unterstützung bei den jugoslawischen Muslimen unterbunden werden konnte. Vier Mitglieder erhielten die Todesstrafe andere hingegen wurden zu Haftstrafen verurteilt.

2. Januar 1992
Der UN-Sonderbeauftragte Cyrus Vance vereinbart mit der Führung in Belgrad und Zagreb einen Friedensplan, der die Stationierung von UN-Truppen (United Nations Protection Forces, UNPROFOR) ermöglicht.
9. Januar: Bosnische Serben proklamieren in ihrem selbsternannten Parlament die „Serbische Republik in Bosnien-Herzegowina“
15. Januar: Anerkennung Kroatiens und Sloweniens durch die EG
3. März: Verkündung der Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina, Beginn der militärischen Auseinandersetzungen zwischen bosnischen Serben auf der einen und bosnischen Kroaten und Bosniaken auf der anderen Seite.
5. April: Beginn der Belagerung Sarajevos mit der Einnahme des Flughafens durch die Jugoslawische Volksarmee.
6. April: Die EG beschließt die Anerkennung Bosnien-Herzegowinas. Daraufhin brechen in ganz Bosnien schwere Kämpfe aus.
27. April: Serbien schließt sich mit Montenegro zur „Bundesrepublik Jugoslawien“ zusammen.
2. Mai: Vollständige Belagerung Sarajevos für 1.425 Tage.
5. Mai: Das Staatspräsidium der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Oberbefehl über die Jugoslawischen Streitkräfte in Bosnien-Herzegowina ab. Militärische Infrastruktur, die der bosnischen Territorialverteidigung oder kroatischen Verbänden in die Hände fallen könnte, wird vernichtet. Den bosnischen Serben wird dagegen militärisches Großgerät überlassen.
30. Mai: Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Serbien und Montenegro.
Mitte des Jahres werden ausländische Mudschaheddin nach Bosnien eingeschleust, um auf Seiten der muslimischen Streitkräfte zu kämpfen. In der Folge begehen die sich selber als Gotteskrieger bezeichnenden Freiwilligen schwere Gräueltaten an Serben und Kroaten.
3. Juli: Proklamation der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna durch die „Kroatische Demokratische Gemeinschaft“ (HDZ) unter Führung von Mate Boban. Zur Hauptstadt wird Mostar erklärt.
2. August: Der Reporter Roy Gutman berichtet in der amerikanischen Zeitung „Newsday“ erstmals über Massenmorde in von bosnischen Serben betriebenen Internierungslagern, insbesondere Omarska. Der Sprecher des internationalen Komitees vom Roten Kreuz lässt verlauten, dass alle drei Konfliktparteien in Bosnien-Herzegowina Internierungslager eingerichtet hätten. Die Größenangaben divergieren stark.
25. August: In der Nacht wird die Universität von Bosnien-Herzegowina in Sarajevo in Trümmer geschossen. Serbische Artilleristen aus den umliegenden Hügeln beschießen absichtlich das historische Gebäude mit Granaten, und die Bibliothek geht in Flammen auf. Ihr gesamter Bestand – eineinhalb bis zwei Millionen Bücher – verbrennt. Die Asche geht stundenlang auf die Stadt nieder. Die Bibliothek galt als eine der bestausgestatteten Südeuropas.
26./27. August: Jugoslawien-Konferenz in London unter Vorsitz von EG und UNO. Alle Kriegsparteien einigen sich auf 13 Grundsätze zur Konfliktlösung, u. a. Beendigung der Kämpfe, Einhaltung von Menschen- und Minderheitenrechten, Auflösung der Internierungslager, Respektierung der territorialen Integrität aller Staaten der Region. Nachfolgeprobleme der neuen Staaten Ex-Jugoslawiens sollen durch Konsens oder in einem Schiedsverfahren geregelt werden. Ein Lenkungsausschuss unter Vorsitz der beiden Sonderbeauftragten Vance und Owen soll den Verhandlungsprozess zwischen den Kriegsparteien institutionalisieren.
9. Oktober: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Verbot für militärische Flüge über Bosnien-Herzegowina, welches in der Operation Sky Monitor von der NATO überwacht wird.

1993
2. bis 5. Januar: Die beiden Vorsitzenden der Genfer Jugoslawienkonferenz, Owen und Vance, legen einen „Verfassungsrahmen für Bosnien und Herzegowina“ (Vance-Owen-Plan) mit beigefügter Landkarte vor.
Ende Januar, kurz vor Ablauf des UN-Mandats, beginnen die Kämpfe in Kroatien von Neuem. Kroatien startete eine Offensive in die serbisch besetzten Gebiete Kroatiens mit dem Ziel, das strategisch wichtige Hinterland von Zadar zurückzuerobern. Anfang Februar weiten sich die Kämpfe auch auf das Hinterland von Split aus.
25. März: Der bosnische Präsident Izetbegović unterschreibt den Vance-Owen-Plan. Damit lehnt nur noch der Serbenführer Karadžić den Gesamtplan ab.
1. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt die militärische Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina. Dazu wird der NATO eine führende Rolle zugewiesen, welche daraufhin die Operation Deny Flight startet.
April: Kroatische Streitkräfte unter Tihomir Blaškić greifen zahlreiche bosniakische Gemeinden im zentralbosnischen La Lasva-Tal an und vertreiben und ermorden große Teile der Zivilbevölkerung.
6. Mai: Der UN-Sicherheitsrat erklärt Sarajevo und fünf weitere belagerte Städte zu UN-Schutzzonen. Das “Parlament” der bosnischen Serben lehnt den Vance-Owen-Plan ab.
Anfang Juni: Der Leiter des UNPROFOR-Zivilsektors befürchtet eine Ausweitung des Krieges auf Kosovo und Mazedonien. Die Lage in Bosnien-Herzegowina beschreibt er als chaotisch: “Die Bündnisse zwischen den kriegführenden Seiten wechseln von Woche zu Woche.”
16. Juni: Die Präsidenten Serbiens und Kroatiens, Milošević und Tudjman, einigen sich unter Vermittlung von Owen und Stoltenberg, dem Nachfolger von Vance als UNO-Sonderbeauftragter, über die Aufteilung Bosnien-Herzegowinas: In einer losen Konföderation sollen drei auf ethnischen Gesichtspunkten beruhende Staaten miteinander verbunden sein. Nach einer Erklärung Tudjmans soll der bosniakische Staat aus zwei Teilen bestehen, einem im Zentrum des Landes und einem in der Region Bihać. Die kroatische Seite sei bereit, den Bosniaken Zugang zum Adria-Hafen Ploce zu gewähren.
23. Juli: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Offensive der bosnischen Serben zur Isolierung Sarajevos.
Die Machthaber der bosnischen Serben lassen ethnisch gemischte Ehen gesetzlich verbieten. Auch Bosniens Präsident Alija Izetbegovic spricht sich gegen ethnisch gemischte Ehen aus.
17. August: Owen und Stoltenberg legen einen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor.
Herbst 1993: Heftige Kämpfe zwischen Truppen des „Kroatischen Verteidigungsrats“ HVO und bosniakischen Einheiten in Zentralbosnien. Es kommt zu Massakern an der Zivilbevölkerung. Angriffe von bosnischen Serben in Nordbosnien und in den ostbosnischen Enklaven.
9. November: Kroatische Geschütze zerstören die Altstadt von Mostar, darunter die weltberühmte Brücke der Osmanen Stari Most. Sie sollte gerade zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden. (2002 wurde die Brücke wiedererbaut, finanziert durch Unesco, Weltbank, die Stadt Mostar und internationale Spender.)

1994
28. Februar: Erste Kampfeinsätze der NATO: US-amerikanische Kampfflugzeuge schießen bei Banja Luka vier serbische Kampfflugzeuge ab.
Belagerung der Stadt Goražde. UN-Soldaten werden als Geiseln genommen.

März: Kroaten und Bosniaken beenden ihren Konflikt in der Herzegowina und vereinbaren unter US-Vermittlung eine Föderation.
Im März wird auch ein erneuter Waffenstillstand zwischen den Krajina-Serben und Kroatien vereinbart, der sich aber wieder als brüchig erweist.
10./11. April: amerikanische Flugzeuge bombardieren serbische Stellungen bei Goražde.
22. April: Der NATO-Rat erklärt Goražde zur militärischen Ausschluss-Zone, aus der alle schweren Waffen der bosnischen Serben abzuziehen seien. Auch Bihać, Srebrenica, Tuzla und Žepa sollen zu solchen Ausschluss-Zonen erklärt werden, falls sie mit schweren Waffen angegriffen werden. In den folgenden Tagen ziehen sich die bosnischen Serben aus der 3-km-Zone um Goražde zurück.
26. April: Die internationale Kontaktgruppe für Bosnien-Herzegowina, der Vertreter der UN, der EU, der USA, Russlands, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands angehören, kommt in London zu ihrer ersten Sitzung zusammen.
27. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt, die UNPROFOR um fast 7.000 Soldaten zu verstärken.
11. Mai: Vertreter der bosnischen Kroaten und Bosniaken einigen sich in der US-Botschaft in Wien über die politische Führung und die Grenzen einer künftigen Konföderation: Der Bundesstaat soll 58 % des Territoriums Bosnien-Herzegowinas umfassen und aus acht Kantonen bestehen. Von diesen sollen vier von den Bosniaken, zwei von den Kroaten und zwei gemischt verwaltet werden. Die Region um Sarajevo soll mindestens zwei Jahre lang von den UN kontrolliert werden. Repräsentanten der bosnischen Serben, die ca. 70 % des Territoriums besetzt halten, weisen diese Aufteilung zurück.
12. Mai: der US-Senat fordert Präsident Clinton auf, das Waffenembargo gegen Bosnien-Herzegowina einseitig aufzuheben. Diese Forderung wird am 8. Juni auch vom Repräsentantenhaus gestellt.
15. Mai: Ein aus Kroaten und Bosniaken bestehendes gemeinsames Oberkommando wird eingesetzt.
30. und 31. Mai: In Sarajevo findet die konstituierende Sitzung des bosniakisch-kroatischen Parlaments statt. Der Kroate Zubak wird zum Präsidenten der Föderation Bosnien-Herzegowina gewählt.
8. Juni: Unter Vermittlung der UN einigen sich die Führung der bosnischen Serben und der bosniakisch-kroatischen Föderation darauf, einen Monat lang „keine offensiven Operationen“ zu unternehmen. Trotzdem kommt es zu heftigen Kämpfen in Zentralbosnien und Sarajevo.
23. Juni: Der bosnische Ministerpräsident Silaidzić stellt eine „gemeinsame Regierung“ vor, der zehn Bosniaken, sechs Kroaten und ein Serbe angehören.
5. Juli: Die internationale Kontaktgruppe legt gemeinsam mit Griechenland und Belgien einen neuen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor: 49 % des Territoriums werden den bosnischen Serben, 51 % der bosniakisch-kroatischen Föderation zugeteilt. Das selbsternannte Parlament der bosnischen Kroaten und das bosnische Parlament stimmen zu, das selbsternannte „Parlament“ der bosnischen Serben lehnt den Plan ab (trotz der Drohung der serbischen Regierung, im Falle der Ablehnung alle Beziehungen mit den bosnischen Serben abzubrechen).
23. Juli: Der ehemalige Bremer Bürgermeister Hans Koschnick tritt sein Amt als EU-Administrator von Mostar an. Die WEU stellt eine 200 Mann starke Polizeitruppe.
4. August: Die Regierung der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Abbruch der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den bosnischen Serben sowie die Schließung der gemeinsamen Grenze bekannt.
5. August: Einheiten der bosnischen Serben überfallen ein UN-Lager bei Sarajevo und entwenden schwere Waffen. Nachdem daraufhin NATO-Flugzeuge serbische Stellungen angreifen, geben die bosnischen Serben die Waffen zurück.
10. August: Die UN drohen erstmals auch den bosnischen Regierungstruppen mit Luftangriffen, falls sie ihre schweren Waffen nicht aus der 20-km-Zone um Sarajevo abzögen und ihre Vorstöße bei Bihać nicht einstellten.
20. August: Bosnische Regierungstruppen nehmen die zuvor von bosniakischen Separatisten kontrollierte Hochburg Velika Kladuša ein.
27. und 28. August: In den von den bosnischen Serben kontrollierten Gebieten wird ein Referendum über den Friedensplan abgehalten, bei dem angeblich 96 % der Wähler den Plan ablehnen.
8. September: Der serbische Präsident Milošević stimmt der Überwachung der Grenze zwischen Serbien und Bosnien-Herzegowina durch eine „internationale humanitäre Mission“ zu. Die Kontaktgruppe entsendet dazu am 17. September 135 zivile Beobachter in das Grenzgebiet.
11. September: EU-Administrator Koschnick entgeht knapp einem Anschlag.
16. September: Der Führer der bosnischen Serben, Karadžić, kündigt Sanktionen gegen die bosniakische Bevölkerung an, falls die von Jugoslawien verhängte Blockade gegen die bosnischen Serben andauern sollte.
22. September: NATO-Kampfflugzeuge zerstören nach einem serbischen Angriff auf ein UN-Fahrzeug einen leeren serbischen Panzer in der Sperrzone in Sarajevo.
24. September: Der UN-Sicherheitsrat beschließt in der Resolution 943, die Sanktionen gegen Jugoslawien zu lockern, falls die Einhaltung des jugoslawischen Embargos gegen die bosnischen Serben bestätigt werden kann. Aufrecht erhalten bleibt das Handelsembargo.
12. November: Die USA ziehen sich aus der Überwachung des UN-Waffenembargos zurück.
21. November: NATO-Kampfflugzeuge fliegen einen Angriff auf die Landebahn des Flughafens Udbina in der „serbischen Krajina“, von dem aus Serben Luftangriffe gegen Bihać gestartet hatten.
23. November: Kampfflugzeuge der NATO bombardieren Raketenstellungen der bosnischen Serben im Raum Bihać, nachdem zuvor ein britisches Flugzeug beschossen war. Als Reaktion blockieren serbische Verbände 350 UN-Soldaten bei Sarajevo und nehmen weitere 55 Blauhelme für mehrere Tage als Geiseln.
2. Dezember: Die kroatische Regierung und die Führung der Krajina-Serben einigen sich mit Hilfe der Vermittler Owen und Stoltenberg auf ein Abkommen, nach dem die Ölpipeline sowie mehrere Straßen und Bahnstrecken, die durch die Krajina verlaufen, wieder in Betrieb genommen werden.
17. Dezember: Verbände der von Fikret Abdić geleiteten „aufständischen“ Bosniaken erobern Velika Kladuša zurück.
20. Dezember: Der ehemalige US-Präsident Carter vermittelt eine siebentägige Waffenruhe zwischen der bosnischen Regierung und der Führung der bosnischen Serben, die am 24. Dezember beginnen soll. Die Krajina-Serben und der bosniakische „Rebellenführer“ Abdić beteiligen sich nicht an dem Abkommen, weshalb die Kämpfe um Bihać anhalten.
31. Dezember: Die bosnische Regierung und die Führung der bosnischen Serben schließen eine „Vereinbarung über die völlige Einstellung von Feindseligkeiten“. Trotzdem kommt es weiterhin zu schweren Kämpfen.

1995
2. Januar: Auch die Führung der bosnischen Kroaten und Abdić unterzeichnen das Waffenstillstandsabkommen. Es kommt trotzdem weiterhin zu schweren Kämpfen.
11. Januar: Unter Vermittlung der UNPROFOR wird eine weitere Vereinbarung über die Umsetzung des Waffenstillstands getroffen. Die heftigen Gefechte gehen ungeachtet dessen weiter.
12. Januar: Der kroatische Präsident Tudjman kündigt die Beendigung des UN-Mandats zum 31. März 1995 an.
23. Januar: Die Führung der bosnischen Serben verpflichtet sich, die Versorgungswege nach Sarajevo freizugeben.
25. Januar: Die Kontaktgruppe bricht ihre Vermittlungsbemühungen ab.
5. Februar: Vertreter der bosniakisch-kroatischen Föderation einigen sich auf einen Neun-Punkte-Plan zur Stabilisierung der Föderation. Ein internationaler Vermittler soll Differenzen zwischen den beiden Volksgruppen schlichten.
9. Februar: Die Führung der Krajina-Serben teilt die Gefechtsbereitschaft und den Abbruch des Dialogs mit der kroatischen Regierung mit. In Mazedonien kommt es Mitte Februar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der albanischen Minderheit und makedonischen Sicherheitskräften.
21. Februar: Russland erkennt Bosnien-Herzegowina an.
1. März: Die Verteidigungsminister Russlands und Jugoslawiens vereinbaren ein Abkommen über die bilaterale Zusammenarbeit.
6. März: Die Oberkommandierenden der Streitkräfte Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens schließen ein Militärbündnis, das einen gemeinsamen Kommandostab vorsieht.
12. März: Die kroatische Regierung stimmt dem Verbleib eines um 10.000 auf 5.000 Soldaten verkleinerten UN-Kontingents zu unter der Voraussetzung, dessen künftige Hauptaufgabe bestünde in der strikten Kontrolle der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der BRJ.
31. März: Der UN-Sicherheitsrat beschließt eine neue Aufgabenbeschreibung der in Kroatien stationierten Blauhelme. Sie tragen zukünftig den Namen „UN Confidence Restoration Operation in Croatia“ (UNCRO).
Mai: Die kroatische Armee startet die „Operation Bljesak“ (kroat. „Blitz“) gegen die serbisch kontrollierten Gebiete in Westslawonien und erobert diese zurück. Serbische Einheiten beschießen daraufhin die kroatische Hauptstadt Zagreb mit Raketen, können die kroatische Offensive aber nicht aufhalten. Die serbische Bevölkerung flieht. (Siehe auch: Republik Serbische Krajina). Die zuvor von serbischen Freischärlern und der JNA vertriebene kroatische Bevölkerung kehrt zurück.
22. Mai: Einheiten der bosnischen Serben transportieren schwere Waffen aus einem Waffendepot der UNO ab. Das UNO-Kommando fordert die sofortige Zurückgabe. Die gesetzte Frist wird von den Serben ignoriert.
25. Mai: Die NATO bombardiert ein Munitionsdepot der bosnischen Serben in Pale, nachdem ein Ultimatum zur Rückgabe von aus einem UN-Depot gestohlenen Waffen verstrichen war. Die Serben antworten mit Artilleriebeschuss von Sarajevo und Tuzla und bringen eine Anzahl von Blauhelmen als Geiseln in ihre Gewalt. Die bosnischen Serben betrachten die Blauhelme als Kriegsgefangene und verlangen für ihre Freilassung die Einstellung der Luftangriffe.
Im Juni greifen kroatische Verbände von bosnischem Territorium aus Knin, die Hauptstadt der Krajina-Serben, an.
11. Juli: Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica durch serbische Truppen. Dabei kommt es zu dem Massaker von Srebrenica.
August: Die USA legen dem UNO-Sicherheitsrat Fotomaterial eines US-Aufklärers vor. Die Bilder lassen auf Massenexekutionen und -gräber in der Region schließen.
4. August bis 7. August: Die Kroatische Armee und Polizei beendet mit der Militäroperation Oluja (kroat. “Sturm”) den Krieg in Kroatien und stellt damit die territoriale Einheit Staates her. Dem kroatischen General, Ante Gotovina, wirft das ICTY schwere Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten vor. Unter anderem seien etwa 150 Serben getötet, 150.000 bis 200.000 vertrieben worden. Hierzu zählen auch die Mitglieder der schätzungsweise 40.000 Mann starken “Armee der Republik Serbische Krajina”.
Unmittelbar nach Beendigung der Militäroperation Oluja wurde gemeinsam mit bosnischen Regierungstruppen die im Abkommen von Split zwischen der bosnischen und kroatischen Regierung vereinbarte Militäroperation Maestral begonnen. Das von Serben kontrollierte Territorium in Bosnien-Herzegowina schrumpfte innerhalb weniger Tage von 70% auf etwa 47%.
21. November: Vertrag von Dayton. Friedensvertrag unter Vermittlung von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA. Bosnien-Herzegowina werden dadurch zu einem föderativen Staat mit zwei Entitäten. Daneben sieht der Vertrag die Beendigung des serbisch-kroatischen Konflikts vor. Dem Abschlussdokument war unter starkem amerikanischem Vermittlungsdruck am 12. November ein Abkommen zwischen der Serbenführung in Ostslawonien und der kroatischen Regierung vorangegangen, das die Wiedereingliederung Ostslawoniens in das kroatische Staatsgebiet vorsah. Die Demilitarisierung des Gebietes und die Rückkehr der Flüchtlinge sollte für die Dauer eines Jahres von einer eigens aufgestellten „Implementation Force“ (IFOR) der NATO im Auftrag der UN geleistet werden. Der Vertrag wird am 14. Dezember in Paris von den drei Präsidenten Izetbegović, Milošević und Tudjman unterzeichnet.

seit 1996
Im Dezember 1996 wird die IFOR durch die SFOR („Stabilization Force“) abgelöst. Sie übernimmt die Funktion einer internationalen Schutztruppe in Bosnien-Herzegowina mit dem Ziel der Stabilisierung des Landes.