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Die Seiten sind seit vielen Jahren online.
Seit etwa neun Jahren hat sich der Inhalt wenig verändert.
Mein Leben schon.

Statt wie früher anzuklagen und duch die Härte Aufmerksamkeit zu erregen,
sollen diese Seiten heute der Dokumentation und der Aufklärung dienen.
Einige Sätze würde ich so nicht mehr unterschreiben.
Als Spiegel meiner Entwicklung betrachtet, möchte ich sie dennoch zur Verfügung stellen.

Nachfolgend beinhaltet sind Reiseberichte, Gedichte, Prosaisches, Zeitzeugnisse und vieles mehr.

Prolog

Mein Name ist Ljubomir Filipovic.
Geboren in der Stadt Rijeka. Am 23. August 1967.
In einem Land das Jugoslawien hieß.
Die Stadt gibt es immer noch.
Den Staat meiner Heimat, schon lange nicht mehr.

Über eine Dekade lang grübelte ich um die Zusammenhänge die das Sein erklären könnten und schloss dabei die anderen Menschen aus. Wenn schon die Kindheit heftig an meinem Menschheitsvertrauen nagte. So blieb am Ende, vom Krieg zerfressen, nur noch eine Vorstellung davon. Dies schmerzte so sehr, dass es mir lange unvorstellbar blieb, jemals wieder vertrauen zu können.

OhnmachtUnd so schwieg ich. Einsam und allein. Gleich wo ich war.
Bis vor einigen Jahren. Irgendwann fing es an zu sprudeln. Anfangs wie ein leichtes Blubbern. Das muß, glaube ich, kurz nach dem Rausschmiss als Barkeeper einer Berliner Szenebar gewesen sein. Dabei ging es um einen Kollegen dem ich in der vollbesetzten Bar die Ohren abschneiden wollte. Nebenbei, er hatte es verdient. Wie dem auch sei, fortan sprudelte es aus mir über alle die es hören wollten. Erwähnenswert dabei, der seelische Druck überstieg oft die Fähigkeit sich nur auf diese Gruppe zu beschränken. Hin und wieder erwischte ich mich, den Anblick der gequälten Gesichter zu genießen die durch die Erzählung längst schon fertig waren. Die Süße der Rache. Liebevoll serviert. Zeit verging. Die Wut nahm ab. Nach und nach entdeckte ich die Vorteile des Schreibens für mich und meine Umwelt. Das niedergeschriebene nicht als Zustand. Vielmehr schriftgewordene Prozessdarstellung. Genuß an sich. Ähnlich eines Mandalas in Sand gemalt, schreibe ich heute noch oft die ganze Nacht hindurch, um es manchmal am nächsten Tag einfach zu löschen. Als meditativer Zustand, nutzt es also auch therapeutisch. Und sollte jemand von euch, neugierig geworden, auf diesem Wege etwas für sich entdecken wollen – herzlich willkommen.

Aktuelle Literaturarbeit…

Zuerst stand die Frage im Raum wozu diese Welt noch ein Roman, oder gar einen Ratgeber brauchen sollte. Buddhistische und sonstige Lebensberater gibt es ja schon zuhauf. Haben die, wie mit einer Zahnspange im Mund lächelnden Gesichter nicht schon alles geschrieben was es an Ratschlägen geben kann? Dr. Hannibal Lecter schilderte uns in “Das Schweigen der Lämmer” wie er genüsslich die Leber eines Patienten bei einem Glas Chianti zu sich nahm. buchtitelUnd W.S. Burroughs machte als schwuler Junkie in”Naked Launch” die Stahldildos gar postmodern. Was sollte also da noch kommen? Na ja, vielleicht eine Mischung aus all dem dachte ich mir.

Nachtrag: zwei Jahre sind nun um. Ich bin immer noch dabei!

Die Arbeit am autobiografischen Roman “Bakschisch für den Teufel” ist weit vorangeschritten. Erotischer Thriller in zwölf Episoden, mit ebenso vielen buddhistischen Weissheiten für den Alltag. Verlagsangebote für den Bestseller 2016-2017 können noch unterbreitet werden. Vorbestellungen für handsignierte Exemplare werden ebenso gerne entgegen genommen. Taschenbuch Format, ca. 280 Seiten. Herbst 2016.

Bei dem vor Jahren angefangenen Historiendrama: “A.D. 1389″ hingegen, dauert es länger. Dieses Werk wird wohl meine Mittelerde werden. Sofern mir die Maya oder Nostradamus nicht dazwischen funken. Aber, zurück zum Buch. Dieses Werk stellt die Geschichte meiner Familie und meines Volkes in den letzten Jahrhunderten dar. Der primäre Anspruch besteht darin, die Funktionalität der Kriege, der Gewalt, also des Leidens schlechthin, literarisch verständlich zu machen. Nicht weniger anspruchsvoll gilt der nächste Ansatz. Nämlich, darin eingebettet, die vielschichtigen Entwicklungsprozesse auf dem Balkan begreifbar darzustellen. Dies sollte meine Antwort auf die oft gestellte Frage geben wie es zu den Kriegen mit all ihrer Brutalität in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens kommen konnte. Mein Lebensweg ist daraus entstanden, ist ein Teil davon und wird bis zu dem Ende vom Land, von der Geschichte und von den Schicksalen geprägt. Ich entschied mich also nicht zuletzt aufgrund der Ereignisfülle mein Weg unter dem Arbeitstitel: “Das Leben, der Tod und andere Unwägbarkeiten” gesondert zu schildern. Nachtrag, Ende 2012: Bin erst bis 1450 gekommen. Immerhin. Durch die Recherche kenne ich nun mehr Namen und Vornamen meiner Sippe mütterlicherseits. Zurück bis etwa 1350.

Meiner Motivation und Kraft folgend, werde ich weiterhin nicht chronologisch oder thematisch schreiben. Hinzu kommt der Zeitbedarf für die Reiseberichte. Um nach außen hin die Reise und damit verbundene Abenteuer nachfühlbar machen zu können, war es und wird es auch zukünftig notwendig sein, die Gesamtumstände zu schildern. Zuletzt auch aus der simplen Tatsache heraus dass es weiterhin mein Lebensweg darstellt. Davon unberührt, Freut es mich, zu beobachten wie mein Schreibstil sich entwickelt und damit den Spiegel meiner Selbst fortwährend andersfarbig erleuchtet. Was für ein Satz! Oder? Wie dem auch sei. Gesichert, so scheint es mir, werde ich weiterhin so viel Freude dabei empfinden wie bis jetzt. Ich hoffe, die Freude wird die geteilte sein.

Ach ja, noch was. Die deutsche Sprache empfinde ich wunderschön. Sie fasziniert mich. Die Sprache der Dichter und Denker hat es mir schwer angetan. In der Selbigen träumt es mir sogar öfter. Mache die Augen zu und sehe den Marktplatz. Der Nietzsche, hoch im Turm, “hier oben alles tot” sag ich dir. Um die Ecke kommt der Schiller. “Mein Freund Goethe wartet, so verzeiht es mir”. Und der Thomas ruft: “Mann, was machst du hier?” So hoffe, nein, so bitte ich um Verständnis ob meiner hin und wieder verspielten Schreibweise. Die pure Freude an der Wortkleidung und Gedankenformung. Der Sprache, und dessen Schrift in allen Ehren.

Wie ich dazu kam

Deutschland, um die Jahrtausendwende

Liebe Leserinnen, liebe Leser. Wenn man anstatt Jahrelang im Büro zu sitzen, das denkwürdige Glück hat, ein lebhaftes, ja erlauben Sie mir, sogar ein ausgesprochen lebhaftes Leben mehr oder weniger bewusst leben zu dürfen, dann hat man gewöhnlich auch etwas zu erzählen. Zugegeben, es war nicht immer mein oberster Gedanke dieses der Menschheit schriftlich mitzuteilen. Ein, scheinbar durch die Vorsehung geführter Plan sollte jedoch eben dies bewirken.

Es begab sich vor einiger Zeit, dass ich mich in eine Frau verliebte. Und weil die Schöpfung uns beiden das Geschenk der Liebe machte war es schön. Es war schön und ich war glücklich. Und weil es schön und ich glücklich war, vergaß ich alles. Ich vergaß meinen Kummer und Schmerz. Ja ich vergaß sogar dass alles auf dieser Erde vergänglich ist. Und dies, wird man jetzt wohl meinen, kann nicht mal im Film lange gut gehen. Recht haben sie. Wochen und Monate vergingen. Ich war ich und die Frau war weg. Mein Herz drohte zu zerspringen. So wie der Zarathustra, mein lieber Freund, vom Berge herabstieg, stieg ich ebenso herab. Unfreiwillig, gnadenlos. Tief und tiefer bis es nur noch dunkel war. Morast an mir, Fäulniss in mir. Mitnichten das erste Mal dass ich so tief herabstieg. So dunkel und so tief stieg ich aber noch nie herab. Und da, wo selbst der Allmächtige nicht einzusehen vermochte, von dort so schien es mir, gab es kein Auskommen mehr. Dies jedoch alles nur, um sich zum späteren Zeitpunkt als sinnvoll, richtig und trotz zwischenzeitiger Verzweiflung als nötig zu offenbaren. Was sich damals meiner Erkenntnis entzog, war die Tatsache das es kein Abstieg, sondern vielmehr ein Anlauf war. Wie die Kraniche ihren Anlauf brauchen, um hoch und höher zur Sonne fliegen zu können, genauso brauchte ich diesen Anlauf um dort zu kommen wo ich jetzt bin.

Ja wo ist er nun jetzt? Mögen sich nun manche fragen. Die Bringschuld dieser Antwort, soll euch nicht unerbracht bleiben. Der geneigte Leser möge bitte so viel Geduld aufbringen, wie es braucht, um die Geschichte zur Gänze zu erzählen. Zunächst waren da die Pillen. Überall lagen sie. Funkelten wie die Sterne um mich herum und übten eine Magie aus. Bunt und klein, rund und groß und in sonst so manch anderer Variation. Die Zündschlüssel einer heißen Kiste. Aufsteigen, losfahren, vergessen. Keine Macht der Macht der Erinnerung. Traf damals Menschen, sah aber keine. Die Hölle war auf Erden und ich war ein Dämon der Engel träumte. Fragend, wie viele wir waren. Mein Zustand glich einer mondlosen nächtlichen Fahrt auf einer verlassenen Landstraße. Eine dicke, zeitlose Nebelwolke. Die Reise ist banal. Die des Todes. Mit etwas Leben dazwischen. Auf diesem Weg ging es um nur zwei Freiheiten die ich sah. Bewusst weitergehen, oder ebenso Bewusst die Reise hier und jetzt beenden. Ich beschloss vorsichtig weiter zu gehen. Schemenhaft sah ich Gestallten am Rande. Die Einen riefen ich möge doch ganz zum Licht kommen. Es wäre gar nicht so schwer. Die Nebelbank würde gleich vorne enden. Die Anderen boten mir sogar die Hand an um mich herausziehen zu können. Einer dieser netten, hilfsbereiten war ein gewisser Messias von Nazareth den ich von früher flüchtig kannte. Mich aber um seine Freundschaft nicht ernsthaft bemühte. Später sollten wir uns noch öfter unterhalten. Hin und wieder ihn auch um Rat fragen. Gute Freunde sind wir bis heute. Dann war da ein gewisser Siddhārtha Gautama. Wieder ein Mensch der mir half als es im meinem Kopfe noch Dunkelheit funkte. Der mithalf als der Nebel mich mit seinen sonderbaren Tentakeln fest zu halten versuchte. Unheimlich. Neblig, körperlos und doch hatte es Saugnäpfe mit Krallen. Zäh und klebrig zugleich. Es hielt mich fest, blieb aber selbst völlig unantastbar. Scheinbar.

Sie halfen mir einen schmalen Pfad zum menschlichen Diesseits zu finden. Es begab sich also, das ich kurz nach dem ersten klinischen Aufenthalt hinter Gittern, zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wurde. Kam zwei Stunden zu spät. Zweimal die Haltestelle verpasst, Hauseingang nicht gefunden. Nebenbei, schon mal vollgepumpt mit Haldol und ein paar anderen Psychos, am Bahnhof Zoo von Oben nach Unten in der Rushhour herum geirrt? Dschungel voller wilder Tiere ist ein Scheiß dagegen. Hab`ständig geblinzelt ob mich irgend jemand anfallen würde. Endlich angekommen, dürfte ich am Tische Platz neben der S. nehmen. Journalistin und Buchautorin wie ich im Laufe des Abends erfahren durfte. Es kam also wie es scheinbar kommen musste – wir kamen in das Gespräch. Und zwar nicht etwa über das Geld oder das neblige Wetter in meinem Kopf. Nein wir sprachen ausgerechnet oder auch nicht über meine ehemalige Heimat – Jugoslawien. Oder was daraus wurde. Sie plante eine Reise nach Kosovo und hatte wie viele andere auch, nicht wirklich die Erkenntnis darüber wie es zu dem Wahnsinn kommen konnte und wie die Situation zurzeit aussehen möge. Und als es für mich an der Zeit war zum Flamenco Kurs zu gehen, (dachte Stampfen hilft gegen Aggression), stand auch fest das wir uns wieder sehen würden um uns darüber erneuet unterhalten zu können. Und so trafen wir uns im laufe der nächsten Monate mehrfach. Was durchaus zu Differenzen und gegenseitiger Ablehnung hätte führen können. Sie ahnen es bereits, dem war es nicht so. Es reifte sogar der Gedanke in uns herauf, die Reise nach Kosovo zusammen zu unternehmen. Es passte gut, die Aufgaben die so ein Vorhaben nun mal stellt sinnvoll zu teilen. Hierbei vollzog sich eine wie ich glaube von uns beiden nicht geplante Neuerung. Es klärte sich das immer mehr meine Person in den Vordergrund rückte. Und wie nebenbei entstand nicht nur die Idee einer Hörfunksendung, sondern auch ein gewisses Maß des Vertrauens, was die Energie und den Raum schaffte um in einem für mich sehr intime Frage – Antwort Gespräch. Ein Versuch, vieles, seit Jahren leidvoll immer wieder gedachtes, nun laut auszusprechen. Es war eine wie bis jetzt immer noch anstrengende aber auch eine befreiende Unterhaltung. Diese Erfahrung vermochte ich seitdem des öfteren machen und es zeigte sich für mich doch überraschenderweise das es auch anderen Menschen helfen konnte meiner Erzählung zuzuhören. Während meiner Fahrradreise nach Tamera, einer alternativen Lebensgemeinschaft im Süden von Portugal, und anschließendem Verbleib dort, konnte ich nicht nur über das Vergangene nachdenken, nein ich entdeckte wie gut es tat sich darüber mit anderen Menschen auch austauschen zu können. Viele Friedensarbeiter und Kriegsgewaltopfer sprachen über das erlebte und gaben sich und den anderen die Kraft um den Fokus des Lebens aus der Vergangenheit in die Gegenwart, in das jetzt verlagern zu können. Und als ich von der S. am Telefon erfuhr dass in Berlin ein Dokumentarfilmer die Aufnahmen hörte und Interesse hatte die Reise nun auch Dokumentarisch mit Kamera zu begleiten, da war es schon wieder da. Der Gedanke dass es wieder mal kein Zufall war. Ende Oktober zurückgekehrt nach Berlin (also offensichtlich meiner Bestimmung folgend) trafen wir alle uns mehrfach und es zeichnete sich ab dass das ganze eine andere Dimension bekommen würde…

Ich dachte mir, es wäre doch gut, darüber was zu schreiben. Im Reisebericht vom 2004 findet ihr noch mehr persönliches. Nachdenkliches, allzu nachdenkliches befindet sich hier.